17. Tag

Auf der Weiterfahrt stoppten wir noch einmal oben in den Hügeln im Ort Sololá an einer Kurve mit ein paar Verkaufsständen. Vom dortigen Mirador San Jorge blickten wir ein letztes Mal hinab auf den auf 1.562 m Höhe gelegenen Atitlán-See. Der britische Schriftsteller Aldous Huxley hatte ihn als schönsten See der Welt bezeichnet. Ganz so weit würden wir nicht gehen, aber die Lage und die Szenerie sind auf jeden Fall malerisch und einen Besuch wert.

Als wir auf die Panamericana fuhren, standen wir gleich in einem Stau, der in der Gegenrichtung allerdings einige km länger war. Es hatte wohl einen Unfall gegeben, denn die Leute drängten sich auf einer Fußgängerbrücke und schauten interessiert zu einem Abzweig inmitten der Blechlawine. Für uns ging es aber schnell weiter und so konnten wir bald auf die RN-10 abbiegen. Diese führte dicht an den Hang des Acatenango heran, der bis in große Höhen kultiviert war. Auf einer gepflasterten Straße ging es immer weiter hinauf, vorbei an Bohnenäckern, Kaffeeplantagen und Maisfeldern. Der Gipfel des 3.976 m hohen Vulkans verbarg sich aber in den Wolken und der Himmel zog sich immer weiter zu.

Als wir schließlich gegen 15 Uhr in Yepocapa am Fuß des aktiven Vulkans Fuego ankamen, war von diesem sogar überhaupt nichts zu sehen. Im Ort steuerten wir das Hotel La Cabaña an, ein Tipp vom englischen Geologen Matt, der in Guatemala Vulkantouren anbietet und dessen Visitenkarte wir am ersten Abend von Lorena im Dos Lunas bekommen hatten. Das Hotel sah geschlossen aus. Als ich an die Tür klopfte, öffnete aber die Chefin. Wir bezogen als einzige Gäste zwei Zimmer, eines davon war das einzige im Haus mit einer Toilettenbrille. Dann inspizierten wir die Terrasse und das Dach, denn von beiden Positionen sollte man einen guten Blick auf den Vulkan haben.

Danach machten wir einen Rundgang durch den Ort und über den kleinen Markt auf einem abgesperrten Stück der Hauptstraße. In einer Nebenstraße entdeckten wir einen Laden mit Piñatas, bunten Figuren, die mit Süßigkeiten gefüllt sind. Früher bestanden diese aus eingewickelten Tontöpfen, heute sind sie aus Pappmaché. Auf Geburtstagen oder zu Weihnachten wird eine solche Piñata aufgehängt. Dann versuchen die Kinder mit verbundenen Augen nacheinander sie mit Stockschlägen zu treffen, bis sie schließlich zerbricht und der Inhalt herausfällt. Das Angebot im Laden reichte von einfachen Kugeln über diverse Comic-Figuren bis hin zu einem stattlichen Tyrannosaurus. Es gab auch gleich mehrere Internetcafés im Ort. In einem davon saßen ein Dutzend kleine Jungen an den Computern und spielten Call of Duty. Weil es im Hotel kein Frühstück gab und das Restaurant auch geschlossen war, kauften wir im Supermarkt und einer Bäckerei noch etwas Verpflegung für den Abend und den nächsten Morgen. Später saßen wir auf der Terrasse und sahen zu, wie die Sonne unterging und es immer nebliger wurde. Vom Fuego war noch immer nichts zu sehen, nicht einmal ein vager Schimmer seiner glutroten Dämpfe. Daher gingen wir um 20.30 Uhr schon sehr früh zu Bett.

Der aktive Vulkan Fuego raucht und qualmt regelmäßig, wie sich von Yepocapa gut beobachten lässt.

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