11. Tag

Es begann ein schöner sommerlicher Tag am Meer. Das Wasser war zwar kalt, aber das hielt viele Kinder am Strand nicht davon ab hinein zu gehen. Den Weg hinunter zum schmalen Streifen Sand mit einer langen Reihe bunter Badehäuschen fuhr dann zuerst ein Wagen mit Eis hinunter. Es folgten einer mit Fish & Chips, einer mit Strandliegen, ein weiterer mit bunten Plastikplanen als Windschutz und zu guter Letzt noch einer mit sechs Eseln, auf denen man eine Runde reiten konnte. Für die Abendunterhaltung gab es an der Hafenpromenade zudem einen bunten Abschnitt, der aussah wie eine kleine Kirmes, nur ohne Karussels. Dafür gab es Buden mit Softeis, Zuckerwatte, Donuts und Riesenlolli-Stangen. In den Gebäuden dahinter befanden sich drei Spielhallen mit Videospielen, einer Schießbude und unzähligen 2p-Pushern. In diese wuchtigen Münzspielautomaten steckt man ein zwei-Pence-Stück hinein und im Glücksfalls sorgt dieses dafür, dass unzählige andere vom Pusher über eine Kante in den Gewinnschacht geschoben werden. Diese Art von Automaten gebe es in allen englischen Seebädern, erzählte uns ein junger Mitarbeiter des kleines Casinos, der aus Australien stammt, seit fünf Monaten bei seiner Freundin in England lebt und Whitby für die schönste Hafenstadt Großbritanniens hält.

Wir fuhren dann in den North York Moors-Nationalpark mit einer Mischung aus Moor- und Heidelandschaften sowie kleinen Waldarealen. Die Heide ist durch vorgeschichtliche Rodungen entstanden. Um sie zu erhalten, werden ausgewählte Flächen alle 8-15 Jahre gezielt abgebrannt. An der Küste geben die Klippen durch die Erosion zudem immer wieder Fossilien frei. Auf unserer Erkundungstour stoppten wir zuerst im kleinen Dorf Grosmont. Von dort starten die Dampfzüge der North Yorkshire Moors Railway ihre Fahrten durch das Newtondale bis zum Marktort Pickering. Bis 1835 bestand Grosmont nur aus einigen wenigen Farmen, doch dann kam die „Whitby and Pickering Railway“ durch einen neuen Tunnel, entworfen von George Stephenson. Die ersten Züge waren 1836 noch von Pferden gezogene Wagen und der kleine Ort war nur als „Der Tunnel“ bekannt. Als 1847 die ersten Dampflokomotiven fuhren, wurde ein größerer Tunnel gegraben. Zuerst transportierten die Züge nur Steine aus den örtlichen Steinbrüchen zum Hafen von Whitby. Als beim Tunnelbau aber reiche Eisenerzvorkommen entdeckt wurden, begann der Ort zu boomen. So verfügte Grosmont in den 1860-er Jahren über eigene Hochöfen, Ziegeleien und Kalkbrennereien, die Tag und Nacht arbeiteten. Als der Stahl das Eisen jedoch in den 1880-er Jahren ersetzte, schloßen die Minen und die Industrie verschwand so schnell, wie sie gekommen war. 1965 schloss British Rail auch die Bahnstrecke, die zu den ältesten in Yorkshire zählt. Heute fahren dort aber wieder Dampfzüge, denn 1973 eröffneten Eisenbahn-Enthusiasten die North York Moors Railway (NYMR). Sie ist mit über 350.000 Fahrgästen pro Jahr heute die beliebteste Museumsbahn der britischen Inseln.

Von Pickering aus besuchte ich dann die Ruinen der Rievaulx Abbey, die bei Helmsley abgeschieden im Ryedale-Tal steht. Die erste große Abtei der Zisterzienser in England wurde 1132 gegründet und dann mehrfach erweitert. So lebten dort um 1300 insgesamt 500 Mönche und Laienbrüder. Die Kirche der Abtei ist bis heute recht gut erhalten.

Auf der Rückfahrt nach Whitby stoppten wir noch beim Dorf Goathland, dessen Bahnhof bei Harry Potter als Station des Zaubererdorfs Hogsmeade zu sehen war. Dort sahen wir dann nach wenigen Minuten den letzten Zug des Tages in einer langgezogenen Kurve durch die Heidelandschaft zurück nach Whitby dampfen.

Hoch über der gleichnamigen kleinen Hafenstadt steht die gut erhaltene Ruine der Whitby Abbey.

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