18. Tag

In der Nacht wurde ich zwei Mal wach und stieg hinauf zur Terrasse. Es war zwar nichts zu sehen, aber einmal grummelte der Vulkan vernehmlich und es klang wie ein nur Sekunden dauerndes Gewitter. Um 5 Uhr hatten wir dann alle ausgeschlafen und gingen zum Sonnenaufgang auf die Terrasse. Der Himmel vor dem Fuego war bewölkt, aber die Wolken zogen schnell vorbei und gaben immer wieder den Blick auf den Gipfel frei. Von Feuerschein oder Lavabrocken war nichts zu sehen, doch alle 10-15 Minuten stiegen kleine und manchmal auch etwas größere braun-schwarze Rauchwolken aus dem Vulkankegel auf. Einmal grummelte es auch wieder.

Mindestens ebenso unüberhörbar war aber die Geburtstagsparty für den kleinen Sohn der Hoteliersfamilie, die noch vor sechs Uhr begann, mit lauter Musik von „Happy Birthday“ auf Spanisch bis hin zu „Last Christmas“ im Original. Wir beobachteten den Fuego noch bis die Sonne direkt dahinter aufgegangen war und ihn in gleißendes Gegenlicht gehüllt hatte. Unsere Vulkanbeobachtung hatte sich also letztendlich fototechnisch als Flop erwiesen. Wesentlich erfolgreicher war da zum Beispiel der niederländische Fotograf Albert Dros gewesen, der es sich auch nicht so bequem gemacht hatte wie wir. Das zeigt die Seite: https://petapixel.com/2017/04/11/photographed-erupting-volcano-front-milky-way/, die auch Tipps liefert, wie man es richtig macht.

Knapp drei Wochen nach unseren Besuch, am 19.11., riefen die Behörden roten Alarm für den Fuego aus. An diesem Tag begann die fünfte Ausbruchsphase des Jahres 2018 mit Lava- und Aschesäulen, deren Intensität sich in den nächsten Tagen steigerte, auf 15-17 Explosionen pro Stunde. Die umliegenden Dörfer wurden evakuiert, denn am 3. Juni 2018 hatte es erst den schwersten Ausbruch seit Jahrzehnten gegeben, mit über 100 Toten.

Nach dem Frühstück packten wir dann unsere Sachen und fuhren noch ein Stück um den Acatenango herum, durch den Ort Jocotenango und weiter bis ins 45 km entfernte Antigua. Der Ort im Panchoytal ist ein Schmuckstück spanischer Kolonialarchitektur und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bis zu den verheerenden Zerstörungen durch das große Erdbeben von 1773 war er die Hauptstadt des Generalkapitanats Guatemala, das mit Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala fünf Provinzen umfasste. Nach dem Erdbeben lagen aber die meisten der über 50 Klöster und Kirchen der Stadt in Schutt und Asche. Sie durften nach einem königlichen Erlass auch nicht mehr aufgebaut werden. Die mitunter ein wenig verwunschen wirkenden Ruinen und die erhalten gebliebenen Teile der Altstadt machen Antigua heute zu einer der schönsten Städte Zentralamerikas.

Wir checkten zuerst in unserem Hotel ein, dem Convento Santa Catalina. Es liegt direkt am Wahrzeichen der Stadt, dem gelben Arco de Santa Catalina. Dann machten wir einen ersten Rundgang. Am Parque Central bummelten wir dabei durch den Touristenmarkt mit Souvenirs aller Art und testeten den möglichen Verhandlungsspielraum. Ein Trikot der guatemaltekischen Nationalmannschaft, das erst 190 Quetzales kosten sollte, war am Ende für 110 Quetzales zu haben. Dann besichtigten wir die Kathedrale San José. Heute steht davon noch die Fassade mit einem Seitenschiff. Der Rest des gewaltigen Baus mit sieben Portalen, fünf Seitenschiffen und 70 Fenstern ist eine Ruine. Von der üppigen Innenausstattung, angefertigt von den besten Künstlern Spaniens, sieht man nur noch Fragmente in den unter freiem Himmel stehenden Rundbögen. Als wir ins Hotel zurückkamen, setzte ein einstündiger Regenschauer ein. Abends waren auf den Straßen dann viele Familien mit Kindern in Halloween-Kostümen unterwegs. Auch bei uns im Hotel gab es eine entsprechende Party, die aber um 22 Uhr schon zu Ende war.

Der gelbe Arco de Santa Catalina ist ein Wahrzeichen von Antigua, dem kolonialen Kleinod Guatemalas.

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