17. Tag

Wir waren schon um 6 Uhr wach und als wir um 7 Uhr zum Frühstück gingen, war das für 8.30 Uhr bestellte Auto bereits da. Wir frühstückten aber noch in Ruhe und starteten dann um 8 Uhr in Richtung Flughafen. Zuerst fuhren wir wieder über Land. Solange es noch nicht zu heiß war, waren dort viele Bauern mit ihren von zwei Ochsen gezogenen Pflügen auf den Äckern aktiv, während einige Frauen mit großen Holzbündeln auf dem Kopf an der Straße entlang auf dem Heimweg waren. In den Dörfern standen vor dem ein oder anderen Haus noch die Bettgestelle hochkant an der Wand, weil viele Leute aufgrund der Hitze nachts lieber im Freien schliefen.

Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir im 150 km entfernten Nagpur an. Die Industriestadt mit 2,4 Mio. Einwohnern liegt genau im geografischen Mittelpunkt des Subkontinents. In der Stadtmitte steht daher der „Zero Mile Stone of India“, eine kleine von den Briten aufgestellte Säule, auf der die Entfernungen zu allen wichtigen indischen Städten eingraviert sind.

Nagpur zählt zu den 20 saubersten Städten Indiens und wird wegen der sehr guten, süßen Orangen aus dem Umland auch „Orange City“ genannt. Die Stadt ist vielleicht nicht so romantisch wie Udaipur, so weltoffen wie Mumbai, so geschichtsträchtig wie Delhi oder so berühmt wie Agra mit dem Taj Mahal, aber sie hat mehr zu bieten, als ein erster Blick verrät. Dort steht zum Beispiel die Deekshabhoomi, die größte hohle buddhistische Stupa der Welt, seit 1956 ein buddhistisches Pilgerzentrum. Zudem führt eine gigantische Treppe zum Maa Umiya Dham Tempel zu Ehren der Hindu-Göttin Maa Umiya hinauf.

Nagpur ist allerdings eine der trockensten Städte Indiens, von April bis Juni sind heiße Temperaturen über 40 °C nicht unüblich. Dennoch gibt es dort viele Seen. Der größte ist der Ambazari Lake, einst das Wasserreservoir der Stadt, mit dem gleichnamigen Garten. Am Gorewada Lake im Nordwesten der Stadt kann man zudem viele Zugvögel beobachten. Die 1977 gegründete Numismatic Art Gallery ist das größte Münzmuseum Indiens und im Narrow Gauge Rail Museum kommen Eisenbahn-Fans auf ihre Kosten.

Wir wurden schließlich am Flughafen abgesetzt und waren natürlich viel zu früh dort. Im Wartebereich trafen wir dann die Familie unseres Camp-Besitzers wieder, die scheinbar nur wenige Minuten nach uns zum Flughafen aufgebrochen war. Statt einer gemeinsamen Fahrt in einem größeren Van hatte man uns jedoch für stolze 3.500 INR lieber einen separaten Transfer „verkauft“. Da mussten wir doch gleich wieder mit ein wenig Wehmut an das Kanha Village Eco Ressort zurückdenken und den wunderbaren Service dort.

Um uns die Zeit zu vertreiben, lasen wir dann in der aktuellen Ausgabe der „The Hitavada“, der nach eigenen Angaben ältesten und weit verbreitetsten englischen Tageszeitung Zentralindiens. Eine Meldung befasste sich mit der aktuellen Hitzewelle, die noch bis zum 7. Juni andauern sollte, wie das India Meteorological Department (IMD) vermeldete. Als Hitzewelle gelten demnach über 45 °C an zwei aufeinander folgenden Tagen. In Nagpur waren am Vortag sogar 47 °C gemessen worden, die höchste Temperatur im Bundesstaat Maharashtra, bei einem Tagesminimum von 29,7 °C, was ebenfalls über den Normalwerten lag.

Tausende Tankwagen versorgten deshalb bereits die ländlichen Regionen mit Trinkwasser. Roten Alarm aufgrund der Hitze gebe es derzeit allgemein für weite Teile Indiens, unter anderem für den Großraum Dehli und den Bundesstaat Rajasthan. Dort befinde sich auch der heißeste Ort des Landes. In Churu waren am gestrigen Montag mit 50,3 °C den dritten Tag in Folge über 50 °C registriert worden.

Eine andere Meldung berichtete über eine Initiative der Behörden im District Beed gegen die verstörende „Tradition“ ungewollten Töchtern (ent-)sprechende Namen zu geben, wie etwa „Nakushi“, das in der Sprache Marathi „ungewollt“ bedeutet, oder „Kachrabai“, übersetzt „Müll.“

Pünktlich um 13 Uhr flogen wir dann nach Goa ab. Da es keine Direktverbindung gab, mussten wir widersinniger Weise erst zurück nach Dehli. Als wir dort um 14.45 Uhr landeten, blieben nur 55 Minuten bis zum Weiterflug. Weil dieser mit derselben Maschine erfolgte, sollten wir einfach an Bord bleiben, zusammen mit einem Pärchen, das ebenfalls nach Goa wollte. In nur 25 Minuten arbeitete sich dann ein Reinigungstrupp durch alle Sitzreihen und wir durften kurz zum Kapitän ins Cockpit. Anschließend stiegen auch schon die neuen Passagiere zu und der Airbus war wieder fast bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl in Goa die Saison von Oktober bis April vorbei war und der Monsun bevorstand.

Nach zwei Stunden und 35 Minuten, in denen wir sozusagen wieder über Nagpur zurück geflogen waren, landeten wir in Goa am Indischen Ozean. Dort herrschten um 18.15 Uhr „erfrischende“ 33 °C, allerdings bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit, so dass wir genauso schwitzten wie zuvor. Für die Weiterfahrt zum 35 km entfernten Varca Beach gab es am Flughafen zwei Taxi-Schalter. Einen für staatliche Prepaid-Fahrten zu festen Preisen und einen zweiten von GoaMiles, einer Buchungs-App mit Online-Zahlung, unterstützt von der staatlichen Tourismus-Behörde. Hätte sich die App installieren lassen, hätten wir für die Fahrt per Kreditkarte 800 INR bezahlt. So bekamen wir am Prepaid-Schalter eine Quittung über 1.000 INR, die wir später beim Fahrer bezahlen sollten. Nach einer Dreiviertelstunde kamen wir schließlich am „The Zuri White Sands“-Resort an, gingen nur noch kurz etwas essen und dann ins Bett.

Aus dem Flugzeug kann man gut die großen Schornsteine der vielen kleinen Ziegeleien erkennen, die auf dem Land häufig zu finden sind.

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