8. Tag

Bei bewölktem aber trockenem Wetter stoppten wir erst kurz am „Castello di Spaltenna“ und fuhren dann ins 5 km entfernte Badia a Coltibuono. Dort waren kaum Leute und das ehemalige Kloster, das Ferienwohnungen und Kochkurse anbietet, machte einen sehr ursprünglichen Eindruck. Die Abtei der Vallombrosaner, einem Zweigorden der Benediktiner, hatte ihre Blütezeit im 11. und 12. Jh., danach begann der Niedergang und 1810 wurde sie aufgelöst. Die Innendekoration der Kirche mit Stuck und Fresken zählt zum Spätbarock. Wir liefen auf einem Wanderweg noch ein Stück weit durch den Wald den Hügel hinauf bis zu einer knorrigen Eiche und fuhren dann weiter in Richtung Norden nach Radda. Der kleine Ort mit einer Kirche aus dem 14. Jh. und dem kleinen Palazzo Pretorio aus dem 15. Jh., die sich beide am zentralen Platz gegenüberstehen, war schnell besichtigt und so ging es bald weiter über die Ausläufer der Chianti-Berge hinab in die Ebene des Arno. Nach 20 km hatten wir das mittelalterliche Dorf Grewe erreicht. Dort fand am heutigen Sonntag im historischen Zentrum ein Frühlingsfest mit Modenschau und Blumenmarkt statt, das sehr gut besucht war. Nach einem Cappucino in einem Café, vor der Kulisse der bunten Häuser mit Bogengängen rund um den dreieckigen Platz vor der Kirche Santa Croce, fuhren wir langsam zurück in Richtung Gaiole. Bei einem Stopp an der Fattoria Castelvecchi, einer mittelalterlichen Adelsvilla mit Hotel, Restaurant und Weinkeller, stand auf dem Parkplatz ein Kleinwagen mit der originellen Aufschrift „Sandra Weddings – Deutsche Hochzeitsplanerin in der Toskana“. Bei diesem Anblick musste ich irgendwie an die Vox-Sendung „Goodbye Deutschland“ mit einschlägigen Auswanderer-Geschichten denken.

Auf der Rückfahrt machten wir nochmal einen Abstecher nach Badia a Coltibuono, um dort im gleichnamigen Restaurant einzukehren. Als es um 19 Uhr öffnete, waren wir zunächst die einzigen Gäste, und bis wir gingen, kam nur noch ein Dutzend Leute dazu. Das Interieur war geschmackvoll, das Personal nett und die Speisen gut, mit kleinen Ausnahmen. Insgesamt war es aber ein schönes Abendessen und die Fahrt zum Castello di Meleto dauerte anschließend nur noch zehn Minuten. Unser Fazit des Tages lautete: Wer wenig Zeit für die Toskana hat, kann einen Ausflug ins nördliche Chianti auch entfallen lassen.

Wein ist in der Toskana und besonders im Chianti allgegenwärtig, wie diese alten Flaschen in der Fattoria Castelvecchi.

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