21. Tag

Wie schon an den Vortagen fuhren wir zuerst mit dem Bus nach Margao. Von dort ging es dieses Mal weiter in den 8 km entfernten Ort Chandor. Der Busfahrer war dabei ein älterer Herr mit Brille und langem Bart, der ganz gemächlich fuhr und dabei an der ein oder anderen Ecke auch gern noch für ein kurzes Schwätzchen anhielt. Endlich angekommen, brauchten wir nur die Straße zu überqueren, um zur 110 m langen Doppelvilla „Menezes Bragança & Braganç de Pereira“ zu gelangen. Dort winkte uns schon Ashley Bragança Pereira von einem Balkon im ersten Stock zu. Er gehört zur 15. Generation einer einst reichen portugiesischen Händlerfamilie, die seit 500 Jahren die Villa bewohnt, und führt Interessierte für 150 INR durch einen Teil der Räume.

Der große Ballsaal hat die opulenteste Ausstattung, die sich am Spiegelsaal von Ludwig dem XIV im Schloss Versailles orientiert. Von der Decke hängen schwere belgische Kronleuchter und an der Wand stehen zwei Stühle, die der portugiesische König Ludwig I. der Familie im 19. Jh. geschenkt hat. Durch den endlos langen und schmalen Speisesaal gelangten wir dann in die kleine Kapelle mit einem besonderen Schatz: Einem Fingernagel des heiligen Franz Xaver, der in der Basilika von Old Goa bestattet ist.

Nach der etwa halbstündigen Führung gingen wir zum Kirchplatz gegenüber, wo auch das Mausoleum der Familie steht, in das die Verstorbenen nach drei Jahren auf dem Friedhof umgebettet werden. Dort stand schon der Bus, in dem die halbe Klasse einer Mädchenschule in Uniform und eine ältere Dame saßen. Diese erzählte uns, dass sie auch in einem alten Haus in Chandor wohne, das wir bei unserem nächsten Besuch gern besichtigen dürften. Zudem empfahl sie uns in Margao schon vor dem Busbahnhof auszusteigen, um ein Sammeltaxi nach Colva Beach zu nehmen. Der Fahrpreis entspreche mit 20 INR pro Person dem des Busses. Wir fanden auch schnell einen Minibus, in dem schon eine sechsköpfige Familie saß, die ebenfalls zum Strand wollte. Als wir dazu kamen, fehlte jedoch noch ein Platz, bis der Wagen voll war. Daher hieß es warten.

Als uns der Fahrer fragte, ob wir nicht einfach auch für den letzten Platz bezahlen wollten und wir einwilligten, ging es aber sofort los. In Colva war direkt am Strand ein viel größerer Parkplatz als in Palolem und es gab auch viel mehr Geschäfte. Der Strand selbst war nicht ganz so schön, aber sehr gut besucht. Nachdem wir einige Selfie-Bitten erfüllt hatten, tranken wir noch eine Cola und beobachteten dabei eine kleine Baustelle, wo gerade ein Pfeiler gegossen wurde. An der Holzverschalung stand ein Arbeiter, während sechs Frauen im Wechsel auf dem Kopf große Schüsseln mit Beton herantrugen. Der Arbeiter schüttete diesen dann in die Verschalung, strich ihn glatt und wartete auf die nächste Portion.

Weil es keinen direkten Bus von Colva zurück nach Varca gab, hätten wir wieder über Margao zurückfahren müssen. Stattdessen entschieden wir uns für eine schönere Alternative, denn man konnte einfach am Strand entlang etwa 5 km direkt zu unserem Resort zurücklaufen. Unterwegs stellten wir fest, dass sich die Badenden in der Regel nur in unmittelbarer Nähe der Stellen mit Straßenanschluss tummelten. Die Strandabschnitte dazwischen hatten kleine Rudel von streunenden Hunden ganz für sich, die dort im Sand lagen und dösten. An der Böschung standen auch vereinzelte Gerippe alter Sonnendächer von längst geschlossenen Strandbars. Zudem kamen wir an ein paar kleinen Hotels und einer Bude vorbei, wo man Jetskis leihen konnte. Hinter Colva passierten wir erst den Ort Benaulim und erreichten nach gut einer Stunde um 18.30 Uhr unseren Hotelstrand. Von den Liegen dort schauten wir noch dem Sonnenuntergang zu, der jedoch weitgehend in den Wolken stattfand.

Am Strand von Colva gibt es alles, was das Traveller-Herz begehrt. Man muss einfach nur dem einladenden Schild folgen.

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