22. Tag

Die laut Fahrplan dreieinhalbstündige Rückfahrt nach Dehli hielt für uns zum Abschluss noch einmal eine volle Dosis des indischen Lebens bereit. Am Bahnhof sprach uns nach einer Weile Devendra Singh an, ein 47 Jahre alter und schon pensionierter Luftwaffen-Ingenieur. Er wollte uns gern helfen den richtigen Zug zu finden und dort noch einen Platz zu bekommen. Ein erster Zug kam schon nach kurzer Zeit. Er fuhr aber zum „falschen“ Bahnhof in Dehli und war so voll, dass wir nicht mal hätten einsteigen können. Daher warteten wir auf den nächsten Zug zur New Dehli Railway Station, der um 10.25 Uhr abfahren sollte. Er kam bereits mit einer Stunde Verspätung in Agra an und war ebenfalls rappelvoll. So stiegen wir zu dritt wieder in einer höheren Klasse ein und die Inder dort rückten sofort zusammen, damit wir noch einen Platz bekamen. Auf dieser Fahrt ließ sich dann kein einziger Schaffner blicken.

Unterwegs sahen wir aus den Fenstern eine Beerdigung, bei der der lange Trauerzug dem in Tücher gewickelten Leichnam auf einer Trage folgte, die von sechs Männern auf den Schultern durch die Straßen getragen wurde. Zudem hielt der Zug mehrfach auf offener Strecke, weil der Abschnitt davor noch nicht freigegeben war. Viele Inder stiegen dann einfach durch die die ganze Fahrt über offen stehenden Türen aus und hockten sich auf die benachbarten Gleise oder nutzen die Gelegenheit sich nach Stunden in den überfüllten Abteilen ein wenig die Beine zu vertreten. Die Bahn hatte sich darauf eingestellt, denn die Lok pfiff 30 Sekunden vor der Weiterfahrt einmal kurz, so dass alle wieder rechtzeitig einsteigen konnten.

Wir kamen schließlich erst um kurz nach 15 Uhr in einem Vorort von Dehli an. Weil der Zug nur noch Schritttempo fuhr, hätte es von dort bis zum Bahnhof „New Dehli“ noch etwa 20 weitere Minuten gedauert. Daher stiegen wir aus, um ein Tuk Tuk zum Flughafen zu nehmen, denn die Zeit drängte. Als wir bemerkten, dass der Fahrer uns zum Inlandsflughafen bringen wollte, stoppten wir ihn. Er setzte uns dann an der nächsten Metro-Station ab, weil Tuk Tuks nicht zum internationalen Flughafen fahren dürfen. So verstrich weitere Zeit für die Fahrt mit dem Airport-Express und als ich schließlich endlich am Gate ankam, war das Boarding bereits in vollem Gange. Die Maschine hob dann pünktlich um 17.55 Uhr ab.

In indiischen Städten sind Autorikschas ein unverzichtbares Transportmittel. Mit dem „Tuk Tuk“ gelangt man schnell und preiswert überall hin.

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