22. Tag

Die Zeit bis zur Abfahrt zum Flughafen vertrieben wir uns mit Zeitungslektüre. Eine Nachricht meldete, dass der Monsun mit einer Woche Verspätung am gestrigen Samstag, dem 8.6., die Küste von Kerala erreicht und ergiebigen Regen mitgebracht habe. In Zentralindien herrschten aber weiterhin Temperaturen von über 45 °C. Eine andere Nachricht berichtete von zwei Tiger-Attacken im Seoni-District in Madhya Pradesh. Ein 58-jähriger Elektriker, der gerade Stromleitungen in der Nähe eines Zuckerrohrfeldes reparierte, sei an Armen und Rücken verletzt worden. Zudem habe ein 22-jähriger, der mit seinem Bruder und seinem Hund aus dem Wald kam und auf dem Heimweg war, tiefe Bisswunden an Arm und Kopf erlitten.

Ein längerer Artikel beschäftigte sich dagegen mit den „Kirana“ genannten kleinen Läden, von denen es in ganz Indien 12 Millionen gibt. Diese seien durchschnittlich 100 m2 groß und hätten bis zu 1.000 Artikel im Sortiment. Viele Besitzer würden ihre Geschäfte aber gerade mit Hilfe des deutschen Großhändlers Metro Cash and Carry India modernisieren. Dazu biete die Metro unter anderem eine Computerkasse, eine Warenwirtschaft und digitale Zahlungssysteme an. Ein weiterer Artikel hatte den Plastikmüll zum Thema. Davon fielen in Indien täglich 25.940 Tonnen an, das entspreche 9.000 Asiatischen Elefanten oder 86 Boing 747 Jumbo-Jets. Ein Zwölftel dieser Menge verursachten allein Dehli, Mumbai, Bengaluru, Chennai und Kolkatta zusammen. Der Müll habe drastisch zugenommen, seit in diesen Großstädten immer mehr Essens-Lieferdienste aktiv seien. Allerdings betrage Indiens Pro-Kopf-Aufkommen an Plastikmüll weniger als 11 kg pro Jahr, während es in den USA ganze 109 kg wären. Man gehe jedoch davon aus, dass sich die Menge in Indien bis 2022 auf 20 kg fast verdoppeln werde. Dabei wären Plastiktüten schon in 22 Bundesstaaten und Städten verboten, in Sikkim sogar schon seit 1998. Die Wirkung der Verbote sei aber sehr unterschiedlich, da die Kontrollen oft sehr ineffektiv wären.

Bei den Kontaktanzeigen einer Agentur namens „Elite Matrimony“ fiel der nüchtern-sachliche Stil auf. Die Damen und Herren gaben Alter, Größe, Gewicht, Beruf sowie die Berufe von Vater und Mutter an. Darüber hinaus schrieben sie alle nur, dass sie in guten finanziellen Verhältnissen lebten und sich einen gut ausgebildeten und gleich gesinnten Partner wünschten. Charaktereigenschaften und die Persönlichkeit waren offenbar zweitrangig.

Am Vortag hatten wir zudem gelesen, dass die Polizei Goas angewiesen worden war ein besonderes Auge auf die GoaMiles-Fahrer zu haben, die von den „regulären“ Taxifahrern, die um ihr Geschäft fürchteten, des Öfteren attackiert werden würden. Vor dem Resort machten wir dann Bekanntschaft mit der dritten Partei, den Fahrern der Tourist-Vehicles, die für die Fahrt zum Flughafen je nach Gepäck überteuerte 1.700-2.300 INR verlangten. Als ich einen Taxifahrer ansprach, der gerade zwei Hotelgäste abgeliefert hatte, ob er uns zum Flughafen mitnehmen könne, kam sofort einer der Limousinenfahrer angerannt und redete energisch auf den Taxifahrer ein, so dass dieser schließlich leer davonfuhr. Der Hotel-Concierge assistierte dabei und erklärte die Taxis dürften nur Gäste absetzen, aber keine aufnehmen. Also blieb uns nichts anderes übrig als auch 1.700 INR zu bezahlen.

Vom Flughafen Goa startete dann um 17.05 Uhr planmäßig der Nonstop-Inlandsflug nach Mumbai, wo wir nach einer Stunde und 25 Minuten Flugzeit um 18.30 Uhr am Domestic Terminal T1 landeten. Der Chhatrapati Shivaji International Airport ist nach Neu-Dehli der zweitgrößte Indiens und hat eine Besonderheit. Er ist aus dem Zusammenschluss von zwei alten Flughäfen entstanden, dem Santa Cruz Airport (heute Terminal 1) und dem Sahar Airport (heute Terminal 2). Beide Terminals sind 5 km voneinander entfernt, teilen sich zwar die Start- und Landebahnen, haben aber unterschiedliche Zufahrten und der kostenfreie „Inter terminal bus service“ wurde 2016 eingestellt.

Wir mussten also ein Taxi nehmen. Für dessen Buchung gab es hier sogar ein halbes Dutzend Schalter, auch einen von Uber, der jedoch geschlossen war. Bei den anderen Anbietern benötigte man allerdings eine App und/oder eine indische Mobilnummer. So blieb uns nur die Option eines Prepaid Taxis für 276 INR, die man bar bezahlen konnte. Wir bekamen dann einen Bon mit dem Kennzeichen unseres Taxis, das ein Mitarbeiter am Taxistand sogleich lauthals ausrief. Der Fahrer meldete sich sofort und musste unsere Rücksäcke auf sein Dach packen, weil ein Flüssiggastank fast seinen gesamten Kofferraum ausfüllte. Wir fuhren dann ein Stück durch den Stadtverkehr und erreichten nach 20 Minuten das internationale Terminal.

Wie in Indien üblich, benötigt man auch in Mumbai seine Bordkarte, um vom Sicherheitspersonal in das Gebäude hinein gelassen zu werden. Wir hatten aber nur die Buchungsreferenz und anders als IndiGo hatte die Lufthansa/Swiss draußen keinen Schalter. Ich fragte also einen Offizier und der schickte mich zu einem Schalter auf der anderen Straßenseite, wo man Ausdrucke für alle Fluggesellschaften bekommen könne. Dort angekommen erfuhr ich aber, dass man keine Berechtigung für Lufthansa/Swiss habe. Wieder zurück beim Offizier, kontrollierte dieser meinen Pass und wollte mich dann kurz ins Terminal lassen. Daraus wurde aber nichts, weil die Schalter von Lufthansa und Swiss erst vier Stunden vor Abflug öffneten. Also investierten wir unsere letzten Rupien bei Burger King in einen Paneer-Burger und einen Chicken-Whopper und warteten bis 21.30 Uhr. Dann begleitete mich der Offizier zu einer Telefonzelle, von der man kostenfrei beim Swiss-Schalter anrufen konnte. Von dort kam nach wenigen Minuten eine Dame mit unseren Bordkarten hinaus und wir durften endlich hinein.

Der internationale Terminal des Chhatrapati Shivaji International Airports in Mumbai ist ein Hingucker. Der kostenfreie „Inter terminal bus service“ wurde aber 2016 eingestellt.

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