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Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Erläuterungen dieser Reise deutlich umfangreicher geraten, denn das Virus sorgte nach Abschluss der eigentlichen Planung für diverse Unsicherheiten und erforderte Flexibilität. Das galt später auch für die Reise selbst, wie wir noch feststellen sollten.

Wie lange und wohin?

Doch von Anfang an: Laut Reiseführer ist für Nordnorwegen inklusive An- und Abreise eine Zeitspanne von mindestens vier Wochen sinnvoll. Die Herausforderung bei der Planung dieser Reise bestand daher darin eine mehrtägige Schiffsfahrt und möglichst vielfältige Eindrücke des Inlands ohne allzu lange Fahrtstrecken in nur 2 Wochen unterzubringen.

Der erste Gedanke war die 1.450 km lange Anreise nach Bergen mit dem Auto. Dafür wird oft eine Langstreckenfähre empfohlen, um einige hundert Kilometer Autofahrt einzusparen. Das sei auch entspannter und interessanter als das zeitraubende Kilometerfressen auf skandinavischen bzw. norwegischen Landstraßen mit scharf kontrolliertem und hart sanktioniertem Tempolimit von 80 km/h. Außerdem könne man nachts in der Fährkabine schlafen und spare so neben Sprit auch noch eine Hotelübernachtung. Daher bleibe insgesamt vom vermeintlichen Preisvorteil einer günstigeren, direkten Fährüberfahrt gar nicht mehr viel übrig.

Die Fähren von Hamburg oder Kiel nach Oslo verkürzen zwar im Vergleich zur Vogelfluglinie die Anfahrt um 730 Straßenkilometer, doch die beste Option wäre die Fjordline gewesen, um dann gleich in Bergen, dem Startpunkt unserer Nordnorwegen-Reise von Bord gehen zu können. Die Fähre startet 520 Autobahnkilometer nördlich von Hamburg im dänischen Hirtshals und legt nach 15,5 Stunden in Bergen an. Da so jedoch immer noch je 2 Tage für An- und Abreise einzuplanen gewesen wären, war das Flugzeug letztendlich die sinnvollere Alternative.

Eine Erkundung der norwegischen Küste per Schiff sollte aber trotzdem auf jeden Fall ein zentraler Programmpunkt sein. Eine kurze Recherche nach einer passenden Kreuzfahrt blieb allerdings erfolglos. Es gab zwar preislich attraktive Angebote, doch alle Schiffe starteten von Deutschland oder Großbritannien und waren nur etwa eine Woche wirklich in Norwegen unterwegs. Kreuzfahrten mit Start und Ziel in Norwegen selbst gab es dagegen keine einzige.

Die Hurtigruten waren gesetzt

Das war aber nicht weiter schlimm, denn zu einem authentischen Norwegen-Erlebnis passt schließlich nichts besser als eine landestypische Fahrt mit den legendären Hurtigruten. Es ist allerdings etwas fragwürdig, dass das Unternehmen seine Passagen sehr erfolgreich als „Kreuzfahrt“ vermarktet, obwohl die großen modernen Skandinavien-Fähren bei Ausstattung und Komfort einem Kreuzfahrtschiff sicher deutlich näher kommen, als die älteren Schiffe der Hurtigruten. Zudem werden die Postschiffe in Deutschland vor allem in Form von relativ teuren Kreuzfahrtkomplett-Paketen beworben, inklusive Flug und exklusive der optionalen Ausflüge. Man kann allerdings auch beliebige Teilstrecken buchen, wahlweise als Deckplatz, mit Kabine, mit Vollpension sowie mit oder ohne PKW. Auf „www.hurtigruten.no“ waren die Preise dabei aufgrund des deutlich gefallenen Wechselkurses etwas niedriger als auf der deutschen Webseite. In der Hauptsaison von Anfang Juni bis Ende August oder sogar Mitte September sind aber schnell alle Kabinen weg bzw. für die „Kreuzfahrt-Gäste“ reserviert, so dass man bis spätestens Ende Februar gebucht haben sollte. Man könnte sogar ganz kurzfristig vor Ort im Hafen an der Rezeption des jeweiligen Schiffes noch Tickets bekommen, aber das war für diese Reise eine viel zu unsichere Option. Schließlich waren deshalb schon Mitte Februar unsere Kabinen auf der Kong Harald gebucht.

Die erste spontane Idee für das Postschiff war eine Fahrt von Bergen nach Tromsø gewesen. Der Rückweg sollte dann mit dem Mietwagen über Land erfolgen. Aufgrund der unzähligen Buchten der Fjorde wären das aber stolze 1.826 km gewesen. Zudem sprach eine happige Einweggebühr von allein 1.000 Euro für einen Mittelklassewagen dagegen. Das Auto ab/bis Bergen zu mieten und mit auf das Schiff zu nehmen, hätte auch nur einige hundert Euro gespart, aber an den 1.826 km nichts geändert. Stattdessen erwiesen sich ein Hinflug bis Bergen und ein Rückflug ab Tromsø als die beste Lösung. Eine Weiterfahrt bis zum Nordkap stand ohnehin nie zur Diskussion. Der Reiseführer „Polyglott go!“ schreibt dazu: „..ist das dort Gebotene weder das Eintrittsgeld noch die weite Reise wert.“ Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Die endgültige Schifffahrt verkürzte sich dann sogar noch ein Stück und sollte schon in Svolvær auf den Lofoten enden, um noch ein paar Tage diese als „traumhaft schön“ beschriebenen Inseln im Nordpolarmeer mit dem Mietwagen zu erkunden.

Corona und alles ist wieder offen

Als Mitte März alles geplant und gebucht war, kam dann die Corona-Pandemie. Norwegen schloss seine Grenzen für Ausländer und die Hurtigruten stellten den Verkehr weitgehend ein. Ab Ende Mai begannen wieder die ersten Lockerungen in der EU und auch im Rest der Welt. Norwegen hielt sich aber raus, dort sollte die Grenze für Ausländer bis zum 20. August geschlossen bleiben, also bis zwei Tage vor unserer Abreise. Zu wenig Zeit, um noch umplanen zu können, wenn es doch keine Öffnung geben sollte. Aber uns blieb nichts, als das Beste zu hoffen.

Ende Juni stand dann in der Tageszeitung WAZ, dass die ersten Hurtigruten-Kreuzfahrten von Deutschland aus wieder starten, mit deutlich eingeschränkten Passagierzahlen und ohne Landausflüge, weil die ausländischen Passagiere sonst in Quarantäne müssten. Anfang Juli bekamen wir dann von Hurtigruten die Bestätigung für unsere gebuchte Passage.

Am 9. Juli gab die norwegische Regierung neue Einreisebestimmungen heraus, demnach waren ab dem 15. Juli auch Einreisen aus Deutschland ohne Einschränkungen wieder erlaubt.

Am 14. Juli kam ich schließlich auf die Idee nach dem Status unserer Flüge zu schauen. Es stellte sich heraus, dass der Hinflug storniert war und der Rückflug bestätigt. Laut Google sollte man sich für Umbuchungen immer direkt an die Fluggesellschaft wenden und nicht an den „Ticket Agent“. Bei Wideroe erfuhr ich aber im auf der Webseite angebotenen Chat, dass man nur direkt bei der Airline gebuchte Flüge bearbeite und ich mich an den Vermittler wenden solle. Der fällige Anruf bei billigflug.de war dann eine angenehme Überraschung, abgesehen von der gut halbstündigen Warteschleife. Der Herr am Telefon suchte eine Flugalternative heraus, buchte kostenlos um und schickte mir die neuen Flugdaten formlos per Mail.

Ein paar Tage später bekam ich dann die offizielle Bestätigung mit der alten Reservierungsnummer, auf der aber nur der Flug von Düsseldorf nach Oslo, nicht aber der Weiterflug nach Bergen aufgeführt war. Also wieder anrufen und die Warteschleife über sich ergehen lassen. Es stellte sich heraus, dass der komplette Flug nun nur noch auf der Webseite von Wideroe abrufbar war, mit einem neuen Buchungscode, den ich ohne diesen Anruf jedoch nie erfahren hätte, denn in der Mail stand er nirgendwo. Jedenfalls war bei Wideroe dann ordnungsgemäß die neue Flugverbindung hinterlegt.

Nun musste ich noch den Mietwagen einen Tag früher reservieren. Eine Änderung der bestehenden Buchung, für die das Geld schon von der Kreditkarte abgebucht war, war allerdings nicht möglich. Stattdessen musste ich die Buchung stornieren und eine neue Buchung machen, für die wieder gleich das Geld abgebucht wurde.

Gecancelte Flüge

Doch damit war es noch nicht genug. Am 3. August bekam ich eine Mail von billigflug.de, dass der Rückflug nicht wie geplant stattfinden könne. Es stellte sich heraus, dass der Weiterflug von Oslo nach Düsseldorf storniert worden war. Am Vortag war zudem gemeldet worden, dass es auf dem Expeditionsschiff „Roald Amundsen“, das mit Passagieren aus Norwegen und Dänemark in der Arktis unterwegs gewesen war, bei mindestens 40 Gästen und Crewmitgliedern einen Corona-Ausbruch gegeben hatte. Hurtigruten teilte daraufhin mit, dass alle Hochseekreuzfahrten zunächst eingestellt werden. Die Postschifflinie zwischen Bergen und Kirkenes verkehre aber weiter.

Ein erneuter Anruf bei meinem „Ticket-Agent“ brachte nach erneutem Durchlauf der Warteschleife kein befriedigendes Ergebnis. Es gebe keinen Alternativflug mit Norwegian Air Shuttle, nur mit Air France und anderen, aber man habe keine Genehmigung darauf umzubuchen. Da müsse ich mich an Norwegian Air Shuttle selbst wenden. Ich bekam also eine 0800-Nummer und rief dort an. Da die deutsche Hotline hoffnungslos überlastet sei, könne man mich an die englische Hotline weiterleiten, oder ich solle zu einem späteren Zeitpunkt noch mal anrufen, erzählte mir eine Computerstimme. Tat ich, landete jedoch trotzdem bei der englischen Hotline. Die Dame war zwar freundlich, konnte aber nicht helfen. Im ganzen September gebe es keine Norwegian-Flüge von Tromsø nach Düsseldorf mehr.

Das Geld für den stornierten Mietwagen, das laut Webseite in wenigen Tagen erstattet sein sollte, hatte ich nach drei Wochen noch immer nicht erhalten. Nun kam also noch das Geld für den Rückflug hinzu, der sich in (coronageschwängerte) Luft aufgelöst hatte. Da Norwegian keinen passenden Ersatzflug hatte anbieten können, schrieb ich eine Mail mit der Bitte um Stornierung und Erstattung binnen sieben Tagen, mit entsprechender Fristsetzung und Verweis auf die VO (EG) Nr. 261/2004 (Fluggastrechteverordnung).

Dann schaute ich nach Flugalternativen bei anderen Airlines. Die Verbindungen waren alle nicht gut, mit zwei oder sogar drei Zwischenstopps. Und für die Strecke Tromsø – Düsseldorf wurden mindestens 550 Euro pro Person fällig, bei der Lufthansa sogar über 1.400 Euro, one-way wohlgemerkt. Den einzig passablen Preis, der nur zehn Euro über dem des gecancelten Fluges lag, fand ich bei Wideroe. Soweit so gut, dann hatte ich zumindest beide Flüge bei einer Airline, nur für den nicht unwahrscheinlichen Fall weiterer Komplikationen. Der Haken war nur, dass auch dieser Flug zwei Zwischenstopps hatte und dann nicht in Düsseldorf, sondern in Hamburg endete. Aber er war alternativlos, wie es so oft heißt, also buchte ich. Dann schaute ich nach einer Bahnverbindung von Hamburg nach Bochum, mit Sparpreis sogar für faire 30,90 Euro buchbar. Die Rückreise würde also anstrengend werden, morgens nach dem Frühstück schnell zum Flughafen. Dann 11 Uhr Abflug in Tromsø und um 0.40 Uhr, also fast 14 Stunden später, Ankunft am Bahnhof Bochum-Ehrenfeld.

In den nächsten Tagen bekam ich erst eine Mail von billigflug.de. Man verzichte auf die üblichen 50 Euro Stornogebühr und habe alles an Norwegian weitergeleitet. Auf die Rückzahlung habe man nun keinen Einfluss mehr, sie könne aber erfahrungsgemäß Monate dauern. Daher bat billigflug.de von Nachfragen abzusehen. Dann kam eine Mail von Hurtigruten, die erklärte, dass man sich freue uns bald an Bord begrüßen zu dürfen. Die Postschifflinie würde weiter verkehren und es gebe ein umfangreiches Sicherheitskonzept mit Fragebogen, Fiebermessen und vielem mehr. Am 7. August empfahl der norwegische Gesundheitsminister Høie seinen Landsleuten offiziell bis auf Weiteres auf Auslandsreisen zu verzichten, da sich das Virus auch in Ländern wieder ausbreiten würde, die es in den vergangenen Monaten unter Kontrolle gehabt hätten. Am 12. August verschärfte die norwegische Regierung die Einreisebestimmungen und ordnete für einige weitere Länder wieder zehn Tage Quarantäne an. Deutschland war nicht darunter, verlor aber den Status grün und Norwegern wurde von Reisen dorthin abgeraten. Am gleichen Tag kam eine Mail von Hurtigruten, dass die Fahrt aktuell stattfinden würde und man bat um die Beantwortung einiger Fragen. Es waren genau zwei: Wollen Sie noch fahren? Wie viele Leute sind Sie? Der abrufbare Monatsfahrplan offenbarte dann, dass im August jede dritte der täglichen Abfahrten storniert worden war.

Trotz allem geht es schließlich los

Am Freitagmorgen ging es schließlich endlich los. Grundsätzlich galt bei der Einreise nach Norwegen noch immer eine 10-tägige Quarantäne, mit Ausnahmen für Deutschland und einige andere EU-Länder. Für den Rest der Welt galt weiter ein Einreiseverbot.

Wir hatten uns ein Taxi zum Flughafen gegönnt und es für 8.45 Uhr bestellt. Dabei hatten wir uns mit der Zeit ein wenig verschätzt, denn die staufreie Fahrt nach Düsseldorf dauerte nur 30 Minuten und so waren wir bereits um 9.15 Uhr am Flughafen. Dort waren die meisten Shops geschlossen und beim Bäcker war selbst die einzige Verkäuferin hinter der Theke nicht ausgelastet. Der Platz auf den Anzeigetafeln reichte zudem aus, um alle Flüge zwischen 10 und 18 Uhr aufzulisten.

Die Maschine nach Oslo war aber fast ausgebucht. Daher dauerte es bei Check-in und Gepäckabgabe etwas länger, da zunächst nur ein Schalter geöffnet war. Bei der Sicherheitskontrolle konnten wir dann jedoch sozusagen direkt durchgehen.

Auf dem Flug, der um 11.45 Uhr hatten starten sollen, mussten natürlich Masken getragen werden und Getränke oder gar Speisen gab es aufgrund von Corona keine. Da fast jeder Platz besetzt war, waren alle Abstandsregeln an Bord obsolet. Mit 45 Minuten Verspätung landeten wir um 14.20 Uhr bei 20 °C und strömendem Regen in Oslo. Im Flughafen waren alle Geschäfte offen. Es war aber nur wenig mehr los, als in Düsseldorf. Die Norweger schienen es auch mit den Masken nicht so eng zu sehen, die meisten trugen keine.

Wir mussten dann unser Gepäck abholen, damit durch den Zoll gehen und es neu einchecken. In der kleinen Propellermaschine, die um 16.45 Uhr nach Bergen startete, waren nur 13 der 38 Sitzplätze belegt. Bei der Zwischenlandung im 10.000 Einwohner-Ort Ørsta sahen wir beim Anflug unter der geschlossenen Wolkendecke die typisch skandinavische Landschaft mit kargen Bergen, vielen Seen und vereinzelten Scheeresten. Außer uns stiegen dann alle aus und 19 neue Passagiere zu. Abends landeten wir pünktlich um 19 Uhr Bergen, wo es bei 20 °C zwar bewölkt, aber trocken war. Dort bezogen wir unser Hotel direkt am Flughafen.

Für den Weiterflug von Oslo nach Bergen hatte Wideroe eine Propellermaschine bereit gestellt.

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