2. Tag

Als wir beim Frühstück saßen, waren am Himmel ein paar Fetzen Blau zu sehen. Das passte uns gut, denn für heute war die unverzichtbare Schifffahrt auf dem Fjord geplant. Aufgrund der wegen Covid-19 ausbleibenden Touristen, gab es täglich nur noch zwei Abfahrten, um 12 Uhr und um 17.30 Uhr. Dabei hatte sich der Preis kräftig erhöht, oneway von 350 NOK p.P. auf 490 NOK.

Pünktlich zur Abfahrt der „Legacy of the Fjords“ setzte kurz vor zwölf wieder Regen ein. Neben der malerischen Landschaft ist übrigens auch der Katamaran selbst etwas Besonderes. Aus Karbonfasern gefertigt, ist er besonders leicht. Zudem wird er CO2-neutral mit Strom aus Wasserkraft angetrieben. Die Ladezeit der Batterien mit der 60-fachen Kapazität eines E-Autos beträgt nur 25 Minuten. Der Strom reicht dann für 2,5 Stunden Fahrt mit 16 Knoten, das entspricht etwa 30 km/h. Bei seiner Indienststellung 2018 war der Katamaran das erste Elektroschiff der Welt. Zudem ist er für seine Emissionsfreiheit und sein Design mit großen Panoramafenstern und barrierefreien Außenaufgängen für alle Decks mehrfach preisgekrönt.

Im großen Salon des Schiffs hatten wir während der zweistündigen Fahrt trocken und warm immer freie Sicht auf die imposante Szenerie, die draußen vorbeizog. Das Schiff mit 400 Sitzplätzen und nur etwa 40 Passagieren steuerte lautlos und ohne Dieselgestank durch den Nærøyfjord und bog dann an der Landmarke Beitelen in den Aurlandfjord in Richtung Flåm ab. Das erste Dorf, das wir anschließend passierten, war Undreal mit 80 Einwohnern und 300 Ziegen, das für seinen prämierten Käse bekannt ist. Die einzige „Sehenswürdigkeit“ im kleinen Fischerort, der bis 1988 nur per Boot erreichbar war, ist die kleinste Stabkirche Norwegens mit nur 3,5 m Breite.

Am anderen Ufer folgte kurz darauf der größere Ort Aurland, der für seine Schuhproduktion berühmt war. Heute gibt es dort nur noch eine Fabrik für die Original Pennyloafer mit dem charakteristischen Querriegel, die man im Rahmen einer Führung auch besichtigen kann.

Am Ziel in Flåm, das in der normalen Touristensaison oft heillos überfüllt ist, war schließlich kaum etwas los. Der winzige Ort hatte aber auch kaum etwas zu bieten, außer vielen Geschäften und natürlich der weltbekannten und überteuerten Flåmsbana. Die 20 km lange Bahnstrecke mit 20 Tunnels zum Hochgebirgsbahnhof Myrdal auf 865 m ist mit 55 % Steigung eine der weltweit steilsten auf Normalspurbreite. Die Fahrt mit Panoramaausblick und einem kurzen Stopp am berühmten Wasserfall Kjosfossen, wo eine „echte“ Elfe noch schnell ein Lied trällert, dauert etwa eine Stunde pro Strecke. Die Flåmsbahn wurde bei ihrer Einweihung 1940 noch dampfbetrieben, ist aber seit 1944 elektrifiziert unterwegs. Mit rund 750.000 Touristen jährlich war sie schon 2005 die fünftbeliebteste Touristenattraktion des Landes.

Wir verzichteten aber auf diese Attraktion und nahmen schon nach 45 Minuten den Linienbus zurück nach Gudvangen, der deutlich günstiger ist als der private Busshuttle.

So konnten wir am Nachmittag noch eine Wanderung zum kleinen Weiler Bakka machen, der 5 km entfernt direkt am Ufer des Nærøyfjords liegt. Dazu folgten wir der Straße dorthin bis zum neuen 2 km langen Tunnel und bogen davor auf die alte Straße ab, die um den Berg herumführt. Am Abzweig informierte eine Tafel über die harschen Wetterbedingungen dort, mit Lawinen und Steinschlägen. Auch wir sahen in dem Moment in der Ferne ein paar kleine Steine mit für ihre Größe erstaunlich lautem Getöse hinab poltern. Nach etwa einem km passierten wir einen Wasserfall und am Ende des Tunnels liefen dann Weg und Straße wieder zusammen. Bei wechselhaftem Wetter folgten wir der Straße bis Bakka. Der dortige Campingplatz, der ganz rudimentär nur aus einem simplen Schotterstreifen am Straßenrand bestand, abgegrenzt durch ein paar Baumstämme, in denen die Stromanschlüse verlegt waren, schien sehr begehrt zu sein. Dort standen vier Wohnmobile, alle mit deutschen Kennzeichen.

Einer der Camper erzählte, dass der Stellplatz mit 300 NOK pro Person zwar etwas teurer sei, aber das wäre ihm die tolle Location wert. Weil uns der Vergleich mit anderen norwegischen Campingplätzen fehlte, ließen wir das mal unkommentiert so stehen. Wir gingen dann noch ein Stück weiter zum Beginn des Rimstigen, wo auch die Straße fast endete. Der Rimstigen ist ein Jahrhunderte alter Viehweg, der bis 1962 den Bauern des Fjords noch zum „kløvjing“ diente, dem Transport von Ausrüstung und Erzeugnissen, wie Käse, Butter und Heu, auf Pferden zu und von den Sommerweiden weit oben. Danach verfiel der Weg, bis er 2009 mit seinen Steinstufen und den umgebenden Trockenmauern von den Einwohnern von Bakka restauriert wurde. Zur Unterstützung wurden Sherpa-Maurer aus dem Himalaya eingeflogen. Ein beliebtes Vorgehen, wie wir später noch feststellen sollten. Seitdem steht der typisch norwegisch sehr naturbelassene Weg wieder Wanderern mit der nötigen Kondition zur Verfügung. Er führt am Wasserfall Tuftofossen vorbei und steigt entlang der Felswand auf 2,75 km sehr steil bis zur Fjordkante auf 725 m an.

Am Abend speisten wir dann gut im Panorama-Restaurant des Fjordtells.

Die „Legacy of the Fjords“ war bei ihrer Jungfernfahrt 2018 Indienststellung 2018 war das erste Elektroschiff der Welt. Sie fährt von Gudvangen nach Flåm.

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