5. Tag

Gleich am Morgen bekamen wir eine Mail von Kristel, der netten Dame von Hurtigruten. Sie hatte für uns zwei zusätzliche Hotelübernachtungen in Bergen und Flüge nach Svolvær gebucht. Auf nachdrückliche Nachfrage erklärte sich die Reederei auch bereit beides zu bezahlen, als kleine Wiedergutmachung für die sehr kurzfristige Absage und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten.

Nachdem die Schiffspassage also endgültig „ins Wasser gefallen“ war, stand heute der Tagesausflug zum 80 km entfernten Hardanger Fjord auf dem Programm. Immerhin war es zum ersten Mal auf dieser Reise herrlich warm, der Himmel war tiefblau und die Sonne schien den ganzen Tag. Der fein verästelte Fjord ist 180 km lang und gilt als der schönste des Landes. Auf der Fahrt dorthin entdeckten wir noch zwei Wasserfälle, die wir uns aus der Nähe anschauten. Der erste Wasserfall war der „Fossen bratte“, der über einen schattigen Hang in ein grünes Tal stürzte. Oben am Wasserfall gab es eine Gedenkstätte zum kurzen Einsatz der norwegischen Armee im 2. Weltkrieg. Sie musste jedoch nach wenigen Tagen kapitulieren, weil die erwartete allierte Unterstützung ausblieb. Der zweite Wasserfall war der tosende „Steinsdalfossen“. Dieser entstand 1699 durch eine schwere Überschwemmung auf der Øvsthus-Farm. Das Besondere an dem Wasserfall ist der Steg, auf dem man trockenen Fußes hinter dem Wasservorhang her spazieren kann. 1898 verkaufte die Familie Øvsthus das ganze Gelände an zwei Investoren, die es zur Touristenattraktion ausbauten. Im Zuge dessen ist 1908 auch die 32 m lange Steinsdal-Bogenbrücke aus Stein gebaut worden, eine der ersten dieses Typs in Norwegen.

Nur 2 km weiter erreichten wir dann den Hardanger Fjord bei Norheimsund und fuhren an seinem Nordufer in Richtung Westen. Die Ausblicke auf die Folgefonn-Halbinsel mit ihren schneebedeckten Gipfeln auf der gegenüberliegenden Seite waren sehr schön. Leider sind aber alle lauschigen Plätzchen am Ufer entweder mit Wochenendhütten oder gelegentlich auch mit Campingplätzen verbaut, zumindest auf dem Abschnitt, den wir erkundeten. Man konnte daher nirgendwo anhalten. Die Straße war zudem nur einspurig mit regelmäßigen Ausweichstellen. Alle Norweger, die uns entgegenkamen, schienen aber ein sehr präzises Augenmaß zu haben, denn fast niemand bremste ab. Da man fast im ganzen Land maximal 80 km/h, oft sogar nur 60 km/h schnell fahren darf, kommt man zudem trotz guter Straßen nur langsam voran. Die möglichen Tagesetappen entsprechen denen, die man etwa auch in Guatemala mit wesentlich schlechteren Straßen erreicht.

In den wenigen Orten, die wir durchquerten, entdeckten wir auch kein nettes Café, wo wir hätten einkehren können. So bogen wir nach 40 km wieder in Richtung Bergen ab. Ich gab den Leihwagen dann noch am Flughafen ab und fuhr von dort mit der im 5-Minuten-Takt verkehrenden skyss-Bahn für günstige 39 NOK in 45 Minuten zurück ins Stadtzentrum.

Der 180 km lange, weitverzweigte Hardanger Fjord südlich von Bergen gilt als der schönste des Landes.

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