14. Tag

Bei grauem Himmel und Regen brachen wir nach Tromsø auf. Zuerst fuhren wir durch eine flache Gegend mit vielen Seen und Tümpeln. Typisches Elchland, wie auch die Schilder zeigten, die bis Tromsø alle paar Kilometer vor den Tieren warnten. Ein Elch ließ sich aber nirgendwo blicken. Noch immer auf der E10 unterwegs, erreichten wir schließlich den kleinen Ort Bjerkvik am Ofotfjord. Dort warfen wir einen Blick auf die bekannte Hafenstadt Narvik am anderen Ufer und bogen auf die E6 ab. Nach einem steilen Anstieg auf 330 m, stoppten wir an einem von sechs Denkmälern, die an die Rückeroberung Narviks durch die Norweger mit Unterstützung der Allierten im Jahr 1940 erinnern. Nachvollziehbar, dass unerwähnt blieb, dass die Stadt kurz darauf zunächst wieder in die Händer der Deutschen fiel, weil die Allierten ihre Truppen abzogen und nach Frankreich verlegten.

Wir fuhren dann weiter hinauf auf die karge Höhe des Bykkemyra-Passes auf 428 m und wieder hinab ins Bardutal, das mit dichtem Wald bedeckt ist. Dort machten wir einen kleinen Abstecher zum „Målselvfossen“. Der dazugehörige Målselva fließt 140 km von der schwedischen Grenze bis Målsnes und ist bis heute ein wichtiger Lachsfluss. Bereits 1990 wurde dort die längste Lachstreppe Europas gebaut, die die durchschwimmenden Fische auch automatisch zählt. Früher war der Målselva zudem ein wichtiger Transportweg und lieferte die Wasserkraft für viele Sägemühlen. Die 600 m langen und 25 m hohen Stromschnellen wurden 2003 zu Norwegens National Wasserfall gewählt.

Nicht weit entfernt beginnt der Øvre-Dividal-Nationalpark mit großen Kiefernwäldern. Er gilt als Norwegens „wildeste Wildnis“ ohne Straßen, aber mit Luchs, Bär, Wolf, Vielfraß, Elch und Auerhahn. Weil man für einen Besuch die entsprechende Ausrüstung und viel Zeit braucht, ließen wir ihn rechts liegen. Wir umrundeten dann in einem großen Bogen ein Stück des riesigen Balsfjords und gelangten in ein breites Tal, umgeben von steilen Bergen mit Schneeresten. Dieser Straßenabschnitt erinnerte an den Icefields Parkway, der in Kanadas Westen den Banff- und den Jasper-Nationalpark verbindet. Später fuhren wir an ein paar kleinen Kartoffelfeldern vorbei, wo die Pflanzen noch in voller Blüte standen, während in Deutschland die Kartoffelernte längst abgeschlossen war. Auf dem letzten Streckenabschnitt wiesen zahlreiche Schilder darauf hin, dass wir uns auf der „Northern Lights Route“ befanden, die Norwegen, Schweden und Finnland verbindet.

Gegen 16 Uhr hatten wir dann Tromsø erreicht. Die 75.000 Einwohner-Stadt auf der Insel Tromsøya im Balsfjord ist das Tor zum Eismeer. Sehenswürdigkeiten im Zentrum sind das Polarmuseum, das sich den Polexpeditionen, insbesondere von Roald Amundsen widmet, und der Dom aus dem Jahr 1861, der eine der größten Holzkirchen Norwegens ist.

Kurz nach unserer Ankunft im Hotel rief der Guide unserer Nordlichter-Tour an, die wir schon vor Monaten für den Abend gebucht hatten. Er sagte, es gebe bis zur finnischen Grenze im Landesinneren und auch an der Küste keinerlei Wolkenlücken. Daher sei Chance auf Nordlichter nahe Null, das müsse er ehrlicherweise sagen. Wir könnten natürlich trotzdem mit ihm losfahren und er würde irgendwo, wo es schön ist, ein Feuer am Strand machen. Da wir ohnehin die einzigen Tourgäste waren, zogen wir jedoch lieber die Storno-Option, denn Polar Adventures bietet fairerweise bis zum Zeitpunkt der Abfahrt eine Geld-zurück-Garantie bei schlechtem Wetter. Der Guide wünschte uns dann noch einen schönen Urlaub.

Ein Containerschiff unterquert die 1.036 m lange Tromsøbrua-Brücke.

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