11. Tag

Als wir zum Südende der Inselkette fuhren, war wieder schönes Wetter. Der erste Halt war bei Reine, wo wir kurz zum Ufer des kleinen Djupfjords liefen. Auf den letzten 10 km der E10 machten wir dann noch einen Fotostopp im Örtchen Tind und erreichten schließlich Å i Lofoten. Diese westlichste Siedlung der Inselkette ist nach dem letzten Buchstaben im norwegischen Alphabet benannt. Das 100 Einwohner-Dorf am Fuße der Lofot-Wand war früher ein bedeutender Fischereihafen. Daran erinnern das Fischerei- und das Stockfischmuseum.

Heute ist Å eine Sehenwürdigkeit mit großem Parkplatz und vielen Busstellplätzen, die die üblichen Besucherströme in Sommern ohne Corona erahnen lassen. Unser Reiseführer erklärte dazu, dass es in Å zuweilen zugehe, wie in Rothenburg ob der Tauber. Bei unserem Besuch war aber nix los und das einzige Restaurant hatte geschlossen. Der Ort mit gepflegten Häusern und einer Rorbuer-Feriensiedlung hatte zudem so gar nichts mit Rothenburg gemeinsam und war auch nicht besonders fotogen. Das Besondere war seine Lage und dementsprechend bietet das Felsplateau hinter dem Ort eine tolle Szenerie. Allerdings war die grasbewachsene Felsplatte von den vielen Besuchern schon ziemlich zertrampelt, weil es dort keine markierten Wege gibt.

Beim Blick vom Ende der Inselkette hinaus auf das Nordpolarmeer sahen wir im leichten Dunst die kleinen Außeninseln Væroy und Røst, auf denen viele Seevögel brüten. Sie sind als Tagestour aber nur im Rahmen eines langwierigen 10-stündigen Ausflugs mit der Autofähre von Moskenes nach Bodø zu besuchen, die unterwegs auch auf beiden Inseln anlegt. Darauf verzichteten wir und machten uns auf den Rückweg zu unserem Rorbuer. Dabei befuhren wir die Europastraße E10, die von Norwegen nach Schweden führt und auch als „König Olavs Straße“ bekannt ist, vom ersten Meter an, denn sie beginnt in Å.

Auf der kleinen Insel Sakrisøy mit senfgelben Fischerhütten, nur einen guten Kilometer vor „unserer“ Insel Hamnøy, mussten wir dann noch das beliebte Seefood-Restaurant „Anitas Sjomat“ besuchen. Es gibt dort eine nicht allzu große Portion cremige Fischssuppe für stattliche 200 NOK, verschiedene Fisch- und Krabbenburger für 140-190 NOK, wie etwa Winnie Pooh (auf norwegisch: Ole Brumm), kleine Tüten mit Stockfisch-Snacks und auch frischen Fisch zum Mitnehmen.

Frisch gestärkt fuhren wir ein zweites Mal nach Reine, fanden am Ortseingang tatsächlich noch einen der raren Parkplätze und machten uns an den Aufstieg auf den Reinebringen, den 442 m hohen Hausberg des Ortes. Der nur gut einem Kilometer lange Weg ist durch Instagram und Social Media zur beliebtesten Wanderung der Lofoten geworden und hat durch die vielen Besucher sehr gelitten. Er ist deshalb im Sommer 2019 gesperrt, instand gesetzt und mit hunderten vom Hubschrauber herantransportierten Steinstufen versehen worden. Das letzte Stück der Strecke ist aber immer noch ein matschiger Pfad, der erst in Zukunft ebenfalls Stufen bekommen soll. Nach gut 1.800 Steinstufen, die recht steil waren, und den letzten 50 Höhenmetern querfeldein über einen ausgetretenen Grashang, hatten wir den Aufstieg in gut einer Stunde bewältigt. Als wir uns umschauten, stellten wir fest, dass der Weg auch für einige „Bergsteiger“ machbar gewesen war, die noch weniger sportlich aussahen als wir.

Von oben hat man auf jeden Fall einen spektakulären Ausblick: Man schaut auf „das“ Symbolbild der Lofoten: Das Meer mit dem Reinefjord im Vordergrund, zerklüftete Berge im Hintergrund und kleine Häuser als Farbtupfer irgendwo dazwischen. Nach einer Viertelstunde auf dem windumtosten Grat, stiegen wir wieder ab. Wäre der gesamte Weg so gewesen, wie das letzte Stück, wäre die Besteigung deutlich schwieriger und zeitaufwändiger gewesen, als über die vergleichsweise komfortablen Stufen mit mehreren Steinbänken zum Verschnaufen.

Bei nahezu wolkenfreiem Himmel wollten wir am Abend noch mal unser Glück mit den Nordlichtern versuchen. Darin bestärkte uns die Webseite „Norway Lights“ mit der gleichnamigen App, die den Status „try“ und später den Status „go“ anzeigte. Als wir gegen 23 Uhr dick eingepackt unser Rorbuer verließen, trafen wir auf der nahen Brücke Christoph aus Schwaben, der dort mit seinem Stativ stand. Er kannte sich gut mit Nordlichtern aus und zeigte uns sofort die ersten davon am Himmel. Diese waren jedoch so schwach, dass unsere ungeübten Augen sie gar nicht als solche erkannt hätten. Später erschien dann aber die erste richtig helle Aurora, die sich fächerförmig über die Berge zog, allerdings nach einer knappen Minute schon wieder verschwunden war.

Christoph zeigte uns ersatzweise auf seinem Smartphone tolle Nordlichter-Fotos, die er auf Island gemacht hatte. Für gute Resultate empfahl er Belichtungszeiten von maximal 3 Sekunden bei Iso-Einstellungen bis 2.000. Für einen gut sichtbaren Vordergrund machte er von der Szenerie oft erst eine Aufnahme mit zehn Sekunden oder noch längerer Belichtungszeit. Dann folgte die deckungsgleiche, aber deutlich kürzer belichtete Aufnahme des Nordlichts selbst. Beides legte er dann in Photoshop übereinander. Macht man dagegen, so wie ich, nur eine Aufnahme mit 10-20 Sekunden Belichtungszeit, haben die Nordlichter nur noch wenig Konturen und sehen eher aus, wie eine verschwommene türkis-leuchtende Wolke. Jedenfalls hatten wir pünktlich zum Beginn der „offziellen Polarlichter-Saison“ am 1. September auch gleich welche gesehen und gingen zufrieden um 1 Uhr ins Bett.

Vom Reinebringen hat man einen tollen Blick auf die Inselwelt der Lofoten, hier mit den Inseln Sakrisøy und Hamnøy.

 

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