4. Tag

Nach dem Frühstück gab es noch einiges zu organisieren. Wir buchten zwei Hotels um, damit es mit dem früheren Schiff passte. Zudem füllten wir für uns alle online je einen Gesundheitsbogen für Hurtigruten aus. Daraufhin bekamen wir die Bestätigungen, die wir ausgedruckt beim an Bord gehen vorlegen sollten. Da wir leider ausnahmsweise keinen Drucker dabei hatten, fragten wir an der Rezeption des Fjordtells, wo man uns freundlicherweise die insgesamt acht Seiten ausdruckte.

Dann packten wir und fuhren los. Zuerst machten wir noch einen Abstecher zum Stalheim-Hotel. Heute ein beliebtes Fotomotiv, war das Haus früher das jährliche Ziel der Fjordland-Kreuzfahrten vom deutschen Kaiser Wilhelm II gewesen. Das historische Hotel mit edlem Restaurant ist normalerweise entsprechend überlaufen. Wir waren jedoch die einzigen, die heute vom frei zugänglichen Garten einen Blick in den 550 m tiefen Abgrund mit dem zuckerhutähnlichen Jordalsknut warfen. Nachdem wir das tolle Panorama auch fotografiert hatten, fuhren wir zurück bis Vinje und machten von dort einen Abstecher zum Südufer des Sogne Fjords.

Die Straße führte streckenweise durch sumpfiges Gebiet mit Bächen, Wasserfällen und Schafen. Dann ging es in Serpentinen hinauf auf eine karge Ebene mit Seen, Schneefeldern und vielen Hütten inmitten der Einöde, die die Norweger gern an den Wochenenden und in den Ferien aufsuchten. Durch tiefhängende Wolken, die wie Nebel wirkten, ging es dann hinunter nach Vikøyri am Ufer des Sogne Fjords. Dieser folgten wir im schönsten Sonnenschein nur noch 10 km bis Vangsnes und passierten dabei mehrere Campingplätze, die bedeutend schöner aussahen als der in Bakka, sowie einige kleine Apfelplantagen. Zurück in Vikøyri schauten wir uns im Regen noch die 1130 erbaute Stabskirche von Hopperstadt an, deren Dach gerade repariert wurde. Dann ging es zurück nach Vinje und weiter in Richtung Bergen. Den imposanten „Tvindefossen“ auf dem Gelände eines Campingplatzes, den wir vor drei Tagen nur im strömenden Regen gesehen hatten, konnten wir nun im Sonnenschein bewundern.

Nach der Durchquerung von geschätzt zwei Dutzend Tunneln erreichten wir am Nachmittag unser kleines Häuschen in Bergen, in der hübschen Altstadt auf der Nordnes-Halbinsel, direkt gegenüber der hölzernen Lagerhäuser von Bryggen. Unseren Mietwagen stellten wir im nahen Parkhaus “KlosterGarasjen“ ab. Dabei lernten wir das System der norwegischen Parkhäuser kennen. Bei der Einfahrt gibt es weder Schranken noch Parkscheine, stattdessen wird das Kennzeichen gefilmt. Zum Bezahlen gibt man dieses dann einfach am Automaten ein.

Als ich abends mein Mailpostfach öffnete, traute ich meinen Augen nicht. Hurtigruten hatte die erst am Vortag umgebuchte Passage mit der Trollfjord, die am nächsten Tag starten sollte, auch storniert. Als Alternative bot man uns ein drittes Schiff an, das in vier Tagen ablegen sollte. Als Begründung wurden technische Probleme in den Häfen zwischen Bergen und Harstad vom 26. bis 30. August in nördlicher Fahrtrichtung angeführt. Für eine traditionsreiche und weltberühmte Reederei empfanden wir dieses Geschäftsgebahren als absolutes Armutszeugnis. Offenbar wurde dort recht konzeptionslos und rücksichtslos den Kunden gegenüber gehandelt. Scheinbar wusste die eine Hand nicht was die andere tat, sonst hätte man uns wohl kaum auf einen Termin umgebucht, der nicht mal 24 Stunden später ebenfalls storniert wurde. Aber unsere Vermieterin hatte ja auch schon bedauert, dass Hurtigruten unter der neuen Leitung nur noch ein Schatten ihres selbst sei und es jede Menge Beschwerden gebe. Wir waren jedenfalls enttäuscht. Schließlich war der gesamte Reiseverlauf um die dreitägige Schifffahrt herum konzipiert worden, die das Highlight hätte werden sollen.

Zum Abendessen besuchten wir dann den Italiener „A casa mia – Stefano“ – welch schöner Name – in der Strandgaten 98, also der Fußgängerzone um die Ecke. Der Patron war charmant und hatte immer einen flotten Spruch parat. Zudem war die Pizza großzügig belegt, hatte einen herrlich knusprigen Boden und schmeckte sehr gut. Wir gingen dann noch kurz zum Hafenbecken, mit einem tollen Ausblick auf Bryggen und Bergens Hausberg Fløyen im letzten Abendlicht.

On der Altstadt von Bergen auf der Nordnes-Halbinsel gibt es noch malerische Gassen.

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