1. Tag

Als wir um 8.30 Uhr aufwachten und aus dem Fenster schauten, begrüßte uns der Tafelberg unter einem blauen Himmel. Nach dem am Sonntag bis 11.30 Uhr verlängerten Frühstück fuhren wir zur Talstation der Seilbahn auf den Tafelberg, wo zahlreiche Ordner gegen eine kleine „Donation“ das Parkchaos am Straßenrand zu regeln versuchten. Die Ureinwohner der Kapregion, die Khoekhoe, nannten das Wahrzeichen der Stadt „Hoerikwaggo“, den Berg des Meeres. Als Admiral Antonio de Saldanha mit seiner Flotte 1503 in der Bucht ankerte und den Berg über die Route durch die Platteklip-Schlucht erkletterte, nannte er ihn „Table of the Cape“. Der französische Astronom Abbè Nicholas-Louis de la Calle taufte während seines Besuchs am Kap der Guten Hoffnung (1750-1754) sogar ein Sternbild der südlichen Hemisphäre auf den Namen „Mons Mesa“, lateinisch für Tafelberg. Im Juni 2004 wurde der Table Mountain-Nationalpark schließlich zusammen mit dem Botanischen Garten von Kirstenbosch als Kap Florenreich von der UNESCO zu einer Natural World Heritage Site erklärt. Im diesem kleinsten und artenreichsten der sechs Florenreiche der Erde sind etwa 8.200 Pflanzenarten beheimatet.

Die Khoi nannten Kapstadt den „Ort der süssen Wasser“, denn sie hatten bereits die wichtige Rolle des Tafelsbergs als Spender von frischem Wasser in der sonst eher trockenen Küstenregion erkannt. Den Pflanzen und Felsenpools auf dem Berg bringt dabei das berühmte „Tischtuch“, dessen Wolken entstehen, wenn feuchte Luft vom Atlantik heranströmt, mehr als doppelt so viel Niederschlag wie die auftretenden Regenfälle. Die vom Devil’s Peak kommenden Wolken gehen einer bekannten Legende nach auf ein bis heute nicht beendetes Duell des alten holländischen Piraten Van Hunks mit dem Teufel zurück, der ihn zum Pfeifenwettrauchen herausgefordert hatte, mit seiner Seele als Preis. Das vornehmlich in den Sommermonaten gesammelte Wassser füllt dann den Grundwasser-spiegel auf und speist die Quellen und Bäche am Berg das ganze Jahr über.

Eine einstündige Wanderung führte mich über das sumpfähnliche, 3 km lange Plateau mit Schilf, Moos und kleinen Tümpeln, die sich in Vertiefungen im Fels gebildet hatten. Zu hören war ein vielstimmiges Froschkonzert, allerdings ließ sich keiner der Beteiligten blicken. Der Weg verlief teilweise auf Holzplanken bis zum Maclear’s Beacon, dem mit 1.087 m höchsten Punkt des Tafelbergs. Den Steinhügel hatte der Astronom Sir Thomas Maclear im Dezember 1844 als trigonometrischen Punkt für Vermessungszwecke errichten lassen. Dort wehte ein kräftiger Wind, den zwei Raben spielerisch dazu nutzten, wie zwei schwarze Hubschrauber mit ausgestreckten Flügeln auf der Stelle zu schweben.

Nachdem wir auf der Terrasse des Cafés an der Bergstation noch eine Weile die Aussicht auf das Kap der Guten Hoffnung genossen und in den Felsen eine Gruppe von Klippschliefern beobachtet hatten, nahmen wir die nächste Gondel zurück ins Tal. Dann fuhren wir auf den benachbarten Signal Hill. Die Straße endet dort an einem beliebten Aussichtspunkt mit Eiswagen, mobilem Kaffeeservice und einer Gruppe Perlhühner. Auf der Wiese warteten bereits viele Leute ausgerüstet mit Decke und Picknickkorb auf den Sonnenuntergang, der den Himmel über dem Wasser leuchtend rot färbte. Für einen Blick auf das Lichtermeer der abendlichen Stadt hielten wir auf der Rückfahrt zum Hotel noch einmal an. Unsere Unterkunft fanden wir dieses Mal dank des markanten Hochhauses eines benachbarten Shopping-Centers ohne Schwierigkeiten.

Blick vom Tafelberg nach Süden auf die Zwölf Apostel.
Blick vom Tafelberg nach Süden auf die Zwölf Apostel.

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