8. Tag

Bei grauem Himmel und leichtem Regen erreichten wir Knysna und steuerten dort den in der Lagune auf Thesen Island gelegenen Stadtteil an. Die kleine Insel ist nach der aus dem norwegischen Stavanger stammenden Familie Thesen benannt. Als deren Fischfangflotte 1868 durch den Zusammenbruch der skandinavischen Heringsbestände in den Ruin getrieben wurde, kaufte sie ihrer insolventen Firma den kleinen Schoner „Albatros“ ab und beschloss damit nach Neuseeland auszuwandern. Ende August 1869 lichtete die 19-köpfige Familie mit sieben weiteren Passagieren aber zunächst den Anker für die 78-tägige Fahrt nach Kapstadt. Dort angekommen erhielten die Thesens gleich die erste Anfrage für eine Transportfahrt nach Knysna, wo sie wenige Tage vor Weihnachten ankamen. Was die Norweger dort sahen, beeindruckte sie so sehr, dass sie ihre Pläne zur Weiterreise aufgaben und sich stattdessen in der Lagune niederließen. Neben dem Gütertransport erschloss sich die Familie mit Bootsbau, Forstwirtschaft und Holzverarbeitung bald weitere Geschäftsfelder. Aus dem alten Sägewerk ist inzwischen ein 5 Sterne-Hotel geworden und die anderen Häuser und Läden auf der Insel machen ebenfalls einen eher exklusiven Eindruck. Das gilt auch für die von einem Österreicher betriebene Ile de Pain-Bäckerei. Am späten Sonntagmorgen war dort fast jeder Tisch mit vornehm gekleideten Gästen besetzt, die die erlesenen Frühstückskreationen genossen. Unsere nächste kulinarische Station war das „34 South – Home of the Knysna Oyster“ an der Marina, wo wir zum Probieren acht Cocktail-Austern für 34 R bestellten, die frisch geöffnet in einem großen Sektkühler auf Eis mit Zitronenstücken serviert wurden. Zum fachgerechten Verzehr, am besten innerhalb der nächsten 5-10 Min., pfeffert man die Austern etwas, träufelt ein wenig Tabasco-Sauce und Zitronensaft darauf und löst das Muschelfleisch dann mit einer kleinen Gabel aus der Schale. Ein durchaus schmackhafter Genuss, wie auch unser Tischnachbar fand, der für sich allein gleich zwei Dutzend Austern mit etwas Schwarzbrot geordert hatte. Ein großes Schild an der Wand erklärte, dass Austern zu den Nahrungsmitteln gehören, die maßgeblich zur Entwicklung des Gehirns des modernen Menschen beigetragen hätten. So zeigten Grabungsfunde des Mossel Bay-Archäologie-Projekts, dass Meeresfrüchte, die die wichtigen Omega 3-Fettsäuren enthalten, vor 165.000 Jahren zuerst am südlichen Kap systematisch geerntet wurden. Die im Restaurant, das genau auf dem 34. Breitengrad liegt, servierten wilden Austern wachsen nur an der Küste zwischen Kap Agulhas und der Transkei-Region. Mit einem gültigem Fishing-Permit dürfen auch Privatpersonen pro Tag bis zu 25 davon sammeln. Dabei unterscheiden sich die wilden Austern durch ihre ungleichmäßig geformten Schalen von den Zucht-Austern. Die Austernzucht in Knysna begann in den späten 1940-er Jahren, wurde aber erst wirtschaftlich als man in den 1970-er Jahren auf die Pazifische Auster umstieg. Erkennbar ist diese an ihrer gleichmäßigen Form mit fächerförmigen Wölbungen auf den grünlichen Schalen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter nach Plettenberg Bay, wo wir uns nach einem Spaziergang am Robberg-Strand und dem Besuch eines Lookouts mit Blick auf die Keurbooms Lagoon ein wenig mit unserer B&B-Vermieterin Sally unterhielten. Sie erzählte, dass ihr Sohn in Tasmien lebe und sie noch immer als Lehrerin arbeite, weil sie bei der Rente sonst ein Drittel Abschläge hinnehmen müsste. Zudem klagte sie über die längste Dürre seit 100 Jahren mit rationiertem Wasser und über die in nur wenigen Jahren um 50% gestiegenen Preise. Deshalb blieben viele Touristen weg und auch sie überlege aufgrund der Benzinkosten immer zwei Mal, ob sie ihre Tochter in Durban besuchen solle. Die politische Lage sei ebenfalls schwierig. Als der Bürgermeister des ANC die letzte Wahl verloren habe, hätte sein Nachfolger von der von Weißen und „Farbigen“ unterstützten DA (Democratic Alliance) zum Beispiel das Rathaus nur mit Leibwächtern und kugelsicherer Weste verlassen können und auch seine Wähler wären von ANC-Anhängern immer wieder bedroht worden. Erst seitdem die Ereignisse landesweit im TV zu sehen waren, sei wieder Ruhe in Plettenberg Bay eingekehrt, wo auch viele Deutsche und Briten Häuser gekauft hätten, um dort die europäischen Wintermonate zu verbringen.

Die Südkaper wären in diesem Jahr ebenfalls nicht wie üblich in der Bucht vor der Stadt angekommen, wo sich nur eine Mutter mit ihrem Kalb aufhalte, sondern erstmals weiter östlich jenseits von Port Elisabeth geblieben. Und auch die Buckelwale wären viel weiter draussen auf See zu finden als sonst. Möglicherweise sei dieses veränderte Verhalten auf den diesjährigen kältesten Winter seit 50 Jahren zurückzuführen.

Gastraum mit Sushi Bar des 34° South-Restaurants in Knysna.
Gastraum mit Sushi Bar des 34° South-Restaurants in Knysna.

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