1. Tag

Ich war nicht wirklich ausgeschlafen, aber wenigstens einigermaßen erholt, als es gegen 5.30 Uhr zu dämmern begann und ich wach wurde. Der Blick aus dem Fenster zeigte den Garten im Morgendunst. Der Sonntag startete dann entschleunigt, denn das kleine Frühstück aus Bohnenbrei, Rührei, Würstchen und Brot gab es erst um 8.30 Uhr. Dabei saßen wir auf der Terrasse hinter mannshohen Mauern mit Nato-Stacheldraht. Draußen ertönten exotische Vogelstimmen, während ab und an lautstark ein Flugzeug auf dem nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernten Flughafen startete. Der Transfer zurück zum Flughafen war im Tagtarif dann kostenlos. Dort nahmen wir unserem Mietwagen in Empfang und fuhren zunächst über die schachbrettartig angelegten Straßen durch einige Zonen der Hauptstadt. Die Strecke führte vorbei an vielen Geschäften, die komplett vergittert waren und nur ein kleines Warenausgabefenster hatten. Trotz des Sonntags war der Verkehr zähflüssig. Auf der CA-9, die in den trockenen Oriente Guatemalas führt, wurden die Autos dann aber schnell weniger. Die Straße wand sich kurvenreich die kargen Hügel hinauf und hinab. Auf den ersten 50 km war sie perfekt vierspurig ausgebaut, mit neuen Tankstellen in nur wenigen Kilometern Abstand. Danach gab es einige Baustellen und auch einige alte zweispurige Abschnitte, so dass wir nur eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 50 km/h erreichten. Das sollte im Verlauf der Reise auch so bleiben.

Als wir uns dem Ort Rio Hondo näherten, gab es neben der Straße viele Gemüsefelder und Verkaufsstände, an denen Frauen mit kleinen roten Pompoms an langen Holzstäben winkten und frische Trauben, kalten Traubensaft oder auch Melonen, Mangos und andere Früchte verkauften. Als wir auf der CA-10 nach Chiquimula abbogen, wurden die Hügel dann grün. Im Ort steuerten wir ein großes Einkaufszentrum an, das auch sonntags geöffnet hatte. Wer dort durch die Einfahrt auf den Parkplatz fuhr, bekam von einem Wachmann ein großes Pappkärtchen, auf dem stand, dass man es nicht im Auto lassen dürfe. An der Ausfahrt musste man das Kärtchen einem anderen Wachmann zurückgeben, damit dieser die Schranke öffnete. Ein einfaches und effizientes System gegen Autodiebstahl, denn nur die rechtmäßigen Besitzer haben auch ein Kärtchen für die Ausfahrt. Der Parkplatz mit einem McDrive war gut gefüllt und fast alle Autos hatten getönte Scheiben. Die zweigeschossige Shopping Mall war klimatisiert und brauchte sich vor europäischen Pendants nicht zu verstecken. Es gab eine große Auswahl an Geschäften, vom Supermarkt über den Levis-Store bis zum Verkaufsstand mit trendigen, frisch gespachtelten Eisröllchen, die auf mit Trockeneis schockgekühlten Platten in Sekunden in individuellen Geschmackskombinationen gefroren wurden.

Auf der Weiterfahrt vorbei an einigen Farmen mit großen Gattern, gefüllt mit hunderten Rindern, bogen wir dann 10 km südlich von Chiquimula auf die CA-11 ab, die 40 km nach Osten zur honduranischen Grenze führt. Die ersten Kilometer mit altem Straßenbelag wiesen zahlreiche, teilweise recht große Schlaglöcher auf, danach war der Asphalt bis zum Grenzort „El Florido“ brandneu. Die Grenzbeamten waren sehr nett und in nur wenigen Minuten hatten wir jeder unsere 3 US$ Einreisegebühr bezahlt und jeweils einen neuen Stempel im Pass. Die Straße auf der honduranischen Seite war eine große Baustelle. Für ihre Verbreiterung hatte man den Fels schon, wie in einem Steinbruch, sehr akkurat stufenförmig abgetragen. Nach einem kleinen Regenschauer kamen wir gegen 17 Uhr im kleinen, sehr hübsch hergerichteten Ort Copán Ruinas an. Die bunten Häuser im Kolonialstil beiderseits der engen Gassen mit einbetoniertem Kopfsteinpflaster waren sehr gepflegt. Es gab eine große Auswahl von Restaurants und Geschäften sowie einen schönen Platz mit schattenspendenden Bäumen und einer kleinen Kirche in der Ortsmitte. Zum Abendessen hatte wir eigentlich die kleine Hausbrauerei „Sol de Copán“ besuchen wollen, die der Deutsche Thomas Wagner 2009 eröffnet hatte. Diese hat aber sonntags und montags geschlossen, wie wir feststellen mussten. Daher gab es statt Bier, Bratwurst, Kartoffelsalat und Käsespätzle leckere Tortillas bzw. Baleadas im „Xax kuma“, gefüllt mit Bohnenmus, Käse sowie Avocado, Hühnchen, Chorizo und vielem anderen mehr für je 1-2 Euro. Um 10 Uhr lagen wir dann im Bett.

Copán Ruinas ist ein kleiner, gepflegter Ort mit Wohlfühlatmosphäre. Wer Zeit hat, kann dort ein paar entspannte Tage verbringen.

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