5. Tag

Auf der gut ausgebauten CA-13 kamen wir auf der Rückfahrt nach San Pedro Sula gut voran, vorbei an mehreren Polizeikontrollen, die uns aber alle durchwinkten. Für die Fahrt an die westliche Karibikküste mussten wir dann durch den dichten Verkehr der Vororte der Millionenmetropole. Daher erreichten wir das nur 162 km entfernte Omoa erst nach 2:45 Stunden. Von der CA-13 aus sahen wir schon die dicken grauen Mauern des Fortaleza de San Fernando. Im Vergleich zu den 15 US$ für Copan waren die 4 US$ für das Fort allerdings recht teuer, denn viel zu sehen gab es nicht. Immerhin bekamen wir am Ticketschalter eine Infomappe auf Englisch für unseren kleinen Rundgang.

Omoa war zur Kolonialzeit der wichtigste Hafen der Karibik gewesen, daher ließ König Fernando VI dort ab 1759 das größte Fort Mittelamerikas errichten. Zu dieser Zeit verlor Spanien in der Neuen Welt aber bereits massiv an Handelsmacht und militärischer Stärke. Aus Kostengründen zeigt die Festung deshalb eine architektonische Innovation: Statt der bisher üblichen vier Bastionen hat es nur noch drei. Darauf abgestimmt ist die dreieckige Bauform, mit einer halbrunden Verbindungsmauer auf der langen Seite. Trotz dieser Sparmaßnahme wurde das Fort nie ganz vollendet. Zudem vernachlässigte die spanische Krone seine Versorgung und auch seine Besatzung. Somit gingen die Probleme deutlich über die üblichen Verspätungen der nur noch schlecht ausgerüsteten königlichen Flotte aus Spanien, Havanna oder Mexiko hinaus. Dementsprechend konnte die Festung nur einen eingeschränkten Schutz vor den Filibustern (abgeleitet vom französischen „Flibustier“ für Freibeuter) bieten, die sich aus Abenteurern, Deserteuren, Bösewichtern und anderen Zurückgelassenen zusammensetzten, die von ihren Heimatländern Spanien, Holland, England und Frankreich vergessen worden waren. Auf ihren Schiffen machten die Freibeuter im 19. Jh. die Küsten Zentralamerikas und die Gewässer rund um die Antillen unsicher. Bevor sie zu Piraten wurden, hatten viele dieser Leute die auf den Inseln zurückgelassenen Rinder gefangen, deren Fleisch gesalzen oder geräuchert und dann verkauft. Sie waren deshalb auch als „Buccaneers“ bekannt, abgeleitet von englischen „buccan“, dem Wort für einen hölzernen Bratrost zum Räuchern.

Nach der Unabhängigkeit von Honduras im Jahr 1821 wurde das Fort zum Gefängnis und war bei seiner Schließung 1959 eines der gefürchtetsten des ganzen Landes. Heute ist das Fortaleza de San Fernando Nationaldenkmal. In einem Raum liegen noch Dutzende Kanonenkugeln und hinter den Mauern ist der Friedhof mit seiner verfallenen Umfriedung nur noch an einem eisernen Kreuz zu erkennen, das aus dem wuchernden Grün ragt.

Vor der Weiterfahrt setzten wir noch in der Pulperia, wie die Tante Emma-Läden in Honduras heißen, unsere letzten Lempiras in Cola und Kekse um. Dann begann es zu regnen. Nach 45 km erreichten wir den kleinen Ort Corinto an der guatemaltekischen Grenze. Dort war deutlich mehr los als in El Florido, aber wir konnten problemlos passieren. Vorbei an Bananen- und Ölpalmenplantagen, die allmählich durch ausgedehnte Weideflächen mit vielen Rindern und einigen Estancias abgelöst wurden, fuhren wir über die Atlantikfernstraße CA-9 nach Westen bis Los Amates. Dort kamen wir in einem Wolkenbruch an und wollten im benachbarten Dorf Aldea Quiriguá in der Posada de Quiriguá übernachten. Als wir uns zu dem Haus durchfragten, trafen wir auf eine ältere Dame, die uns den Weg erst auf Spanisch erklärte und dann einige Brocken Englisch hervorkramte. Da wir beides nicht wirklich verstanden, stieg sie schließlich zu uns ins Auto und lotste uns persönlich zu der Unterkunft, die im Hinterland über eine steil ansteigende Schotterpiste zu erreichen war. Die japanische Besitzerin Masaki, die Maya-Schokolade sowie tolles guatemaltekisches und japanisches Essen kochen können sollte, musste uns allerdings leider abweisen, weil ihre vier Zimmer schon belegt waren. Sie empfahl uns das örtliche Hotel Royal, das aber geschlossen war, wie wir feststellten.

Zurück in Los Amates fanden wir dann das Hotel Santa Monica. Auf dem verwaisten Hof stand ein winziger Schuppen, an dem „Rezeption“ stand. Von dort kam uns ein Mann entgegen, der vage erklärte, dass wir uns irgendwo auf der anderen Straßenseite anmelden müssten und sich dann vor dem Regen unter das Dach einer Garküche flüchtete. Da uns seine ausgeprägte Serviceorientierung nicht ganz überzeugen konnte, fuhren wir ein Stück weiter zum Hotel Margarita, wo wir zwei einfache, fensterlose Zimmer im ersten Stock bekamen. Im Parterre reihten sich mehrere Imbisse aneinander, die sich alle auf frittierte Hähnchenteile spezialisiert hatten. Auf dem offenen Gang, der zu den Zimmern führte, stand ein Sofa. Wenn man dort saß, hatte man den Geruch von heißem Fett in der Nase und das Prasseln des Regens auf das Wellblech im Ohr. In kurzen Abständen unterbrochen durch das Dröhnen der oft altersschwachen LKW, die auf der ansteigenden Hauptstraße direkt vor dem Haus kräftig Gas geben mussten. Für ein einfaches Abendessen kauften wir dann nur noch kurz im gut sortierten Supermarkt um die Ecke ein.

Auf Spiegel Online lasen wir einen Artikel, der über etwa 4.000 Migranten aus Honduras und Guatemala berichtete, die sich zu einem kleinen Treck gesammelt hätten, um gemeinsam in die USA einzureisen. Präsident Trump bereite mit der Armee aber schon Gegenmaßnahmen vor. Das war jedoch völlig übertrieben, denn täglich versuchen etwa 800 Menschen illegal über die Grenze der Vereinigten Staaten zu gelangen. Es ging also lediglich um die Personenzahl von fünf ganz normalen Tagen. Kein Grund die Streitkräfte in Marsch zu setzen.

Das spanische Fortaleza de San Fernando wurde 1759 unter König Fernando VI. in Omoa errichtet.

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