4. Tag

Da der kleine Wallfahrtsort Assisi jährlich 8 Millionen Besucher anzieht, hatten wir unsere Fahrt dorthin extra erst nach dem langen Mai-Wochenende geplant. Der Ausflug in die Nachbarregion Umbrien hatte zudem den Vorteil, dass wir einem weiteren Regentag in der Toskana, den die Wetter-App richtig vorausgesagt hatte, wie sich zeigen sollte, einfach 130 km davonfuhren. Wir passierten den Lago Trasimeno, den viertgrößten See Italiens, der ein beliebtes Urlaubsgebiet ist und im zweiten punischen Krieg Schauplatz einer Schlacht war. Im Jahr 217 v.Chr. besiegte Hannibal dort die Römer unter Gaius Flaminius. Vorbei an der umbrischen Provinzhauptstadt Perugia erreichten wir dann bei einsetzendem Sonnenschein die Heimatstadt von Giovanni Battista Bernardone, der heute als heiliger Franz von Assisi verehrt wird und den Franziskanerorden gegründet hat. Zu der Zeit als Kaiser Barbarossa die Stadt unterwarf, wurde dort gerade der spätere Kaiser Friedrich II erzogen und die Heiligen Franziskus (1182) und Klara bzw. Chiara (1193) geboren. Das Taufbecken der drei ist noch heute in der Cattedrale di san Rufino zu sehen. Assisi gehörte von 1500 bis 1860 zum Vatikan, mit einer kurzen Unterbrechung durch Napoleon.

In Assisi waren es vom Parkhaus „Mojano“ nur wenige hundert Meter bis zur Piazza Santa Chiara vor der gleichnamigen Kirche. Den Weg in die Innenstadt hinauf erleichterten dabei, wie schon in Siena, mehrere Rolltreppen. Obwohl heute das viertägige „Calendimaggio di Assisi“ startete, ein Mittelalter-Festival mit Paraden in historischen Kostümen, Vorführungen von Fahnenschwenkern und Chorkonzerten, herrschte kein Gedränge in den Gassen. Es waren auch nur einige wenige Pilgerggruppen vor Ort, die zum Beispiel mit einer großen polnischen Flagge umherzogen oder auf einem Platz singend im Kreis herum tanzten. Ein beliebtes Souvenir für Pilger und Touristen ist das Taukreuz, ein traditionelles Symbol des Franziskaner-Ordens. Schon Franzikus selbst unterschrieb mit diesem Zeichen, das die Form eines „T“ hat und sich vom letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets „Taw“ ableitet.

Die Häuser des Ortes sind in tadellosem Zustand und entlang der Hauptstraße gibt es neben Geschäften mit Kitsch oder Kunst auch einige kirchliche Einrichtungen, wie den Laden der Missionsschwestern und ein Franziskaner-Kolleg. Eindeutiger Besuchermagnet ist jedoch das Franziskanerkonvent am Ende der Straße. Die dazugehörige Basilika besteht aus einer Oberkirche und einer Unterkirche. Darunter befindet sich die Krypta mit dem Grab von Franziskus. Aus Furcht vor Grabräubern hatte sie jahrhundertelang im Verborgenen gelegen und war erst 1818 freigelegt worden. Die Stelle befand sich ursprünglich außerhalb der Stadtmauern. Franziskus hatte dort nach seinem Vorbild Jesus bestattet werden wollen, dessen Grabhöhle sich auch außerhalb der Mauern Jerusalems befunden hatte. Im alten Kapitelsaal, in dem die Ordensbrüder seit 1228 zusammenkamen, sind einige Reliquien des Heiligen ausgestellt, wie seine aschefarbene Tunika, die wie die Überröcke der Franziskaner aus preisgünstigem Material besteht, ungebleichter lokaler Wolle. Zu sehen sind auch seine Schuhe oder das Elfenbein-Horn, das er 1219-1220 auf seiner Reise mit einem Christenheer zur Festungsstadt Damiette in Ägypten bei sich trug. Dort erhielt er zur Zeit der Kreuzzüge eine Audienz bei Sultan Melek-El-Kamil, dem hochgebildeten Neffen des berühmten Sultans Salah ad-Din, die in christlichen und arabischen Quellen verzeichnet ist.

Wir stiegen dann hinauf zur Rocca Magiore hoch über der Stadt auf dem Gipfel des 1.290 m hohen Monte Subasio und besuchten die Basilika di Santa Chiara. Da wir schon um 16 Uhr die Rückfahrt antraten, bogen wir nach 20 km ab und fuhren noch hinauf in die mittelalterliche Altstadt von Perugia. Zum Parken bietet sich der Parcheggio „Piazza Partigiani“ unterhalb des Busbahnhofs an. Von gelangt man mal wieder über Rolltreppen hinauf in die unterirdischen Gänge der Rocca Paolina. Diese Festung, die Papst Paul III Farnese 1540 in Auftrag gab, um die bis dahin freie Stadt zu kontrollieren, wurde von den Einwohnern in den nächsten drei Jahrhunderten wieder weitgehend zerstört. Geblieben sind die Gärten, einige Mauern, ein Turm und die labyrinthischen Gänge im massiven Fundament. Diese führen weiter nach oben zu einem Ausgang am Anfang der Fußgängerzone „Corso Vannucci“. Die Häuserfassaden dort sind durchaus imposant, versprühen im Vergleich zu Assisi jedoch einen eher morbiden Charme. An der Piazza IV Novembre steht der Duomo die San Lorenzo. Sein Bau wurde bereits im Jahr 1300 geplant, zog sich aber letztendlich bis in 19. Jh hin und die Außenwände befinden sich bis heute zu großen Teilen im Rohzustand, was ja gut zur Umgebung passt. Da in Perugia zwischen 1216 und 1305 fünf Konklaven stattfanden, starben in der Stadt mit Innozenz III, Urban IV und Martin IV drei Päpste, die alle zunächst im Dom bestattet wurden. Die beiden ersteren wurden aber später umgebettet.

Geht man von der Piazza durch die enge Via Ulisse Rocchi, so ist nach wenigen hundert Metern der Arco Etrusko erreicht, der deutlich größer ist als das Etruskertor von Volterra. Über die kurvige, steil aufsteigende Via Bartolo gelangten wir dann zurück zum Dom. Als wir auf der Rückfahrt hinter dem Lago Trasimeno die „Grenze“ der Toskana erreichten, waren die Straßen regennaß und blieben es bis zur Certosa.

Der weltberühmte umbrische Wallfahrtsort Assisi liegt malerisch am Fuße des 1.290 m hohen Monte Subasio.

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