7. Tag

Heute stand eine Flussfahrt mit dem Lancha ins 42 km entfernte Livingston auf dem Programm. Für 800 Quetzales hatte uns die Lodge eine Privattour mit Jacobo vermittelt, der zur Vereinigung der „Lancheros de San Felipe“ gehörte. Nach einer obligatorischen Schleife am namensgebenden Fort vorbei, erinnerten die ersten Flusskilometer mit einigen Anwesen am Ufer ein wenig an Naples. Wobei die Häuser am Rio Dulce einfacher und die Boote kleiner waren als in Florida. Ein guatemaltekischer Anwalt hat sich allerdings eine protzige Villa mit eigenem Heliport direkt ans Wasser bauen lassen.

Ein Stück weiter öffnete sich der Fluss zum Golfete mit der Breite eines Sees. Die Naturbeobachtungen im dortigen Biotopo Chocón Machacas beschränkten sich dann auf Kormorane, einen Reiher und ein paar Jacanas bzw. Blatthühner sowie weiße oder rosa Seerosen und Wasserlilien, die sich in der Regenzeit zu kleinen Teppichen ausbreiten. In der Trockenzeit drückt das Meerwasser jedoch wieder so weit den Fluss hoch, dass das Salz die Blütenpracht verschwinden, aber die Mangroven ganzjährig gedeihen lässt. Wer den Ausflug verlängern möchte, kann Stopps an den heißen Schwefelquellen von Aguas Calientes und in einem Restaurant mit einer großen Wasserrutsche einlegen. Wir verzichteten aber.

Die Weiterfahrt bis zur Flussmündung führte dann durch einen gewundenen Canyon mit haushohen Kalksteinwänden. Anschließend schipperten wir noch ein kleines Stück auf das karibische Meer hinaus und hätten von dort noch vom Lancha am kleinen Privatstrand „Punta de Cocoli“ abgesetzt werden können, der als der schönste Strand Guatemalas gilt. Belize, gleich gegenüber auf der anderen Seite der Amatique-Bucht, und Honduras haben aber größere und schönere Strände. Darum fuhren wir gleich weiter zum eigentlichen Ziel der Tour, dem kleinen Ort Livingston. Dieser ist auf dem Landweg nicht zu erreichen und verströmt entspannten Karibikcharme, ist an einigen Stellen aber auch etwas heruntergekommen. Das zeigt zum Beispiel das alte Hotel „Henry Berrisford“ mit seiner abblätternden Fassade recht deutlich, das gleich neben dem Anleger steht.

Im Ort leben mit den dunkelhäutigen Garifunas die Nachfahren afrikanischer Sklaven, die die Engländer von der Karibikinsel St. Vincent zunächst nach Roatán deportiert hatten. Von der heutigen „Trauminsel“ vor der honduranischen Küste konnten die Garifunas aber letztlich an den Rio Dulce flüchten. Dort gründeten sie 1806 einen Ort namens „La Buga“. Das ist das Garinfuna-Wort für „Boca“ also „Mündung“. 1837 wurde dieser aber in „Livingston“ umbenannt, zu Ehren des US-Politikers Edward Livingston, dem Verfasser der Livingston Codes, die die Grundlage für die liberale Gesetzgebung der Zentralamerikanischen Konföderation im frühen 19. Jahrhundert bildeten.

Zur Besichtigung des Ortes spazierten wir die beiden Hauptstraßen entlang und warfen einen kurzen Blick auf den Friedhof, der uns jedoch weitaus weniger malerisch erschien, als der Reiseführer behauptete. Anschließend steuerten wir ein Restaurant an, um die örtliche Spezialität „Tapado“ zu probieren. Die Zubereitung dieser Meeresfrüchte-Suppe dauert mindestens eine Stunde. Dann wurde mir eine Schüssel serviert, in der ein Fisch, eine Krabbe und einige kleinere Garnelen im Ganzen schwammen, nebst einigen kleinen Tintenfischen und der Länge nach halbierten Kochbananen. Trotz der bereitgestellten Zange war es sehr schwierig an das Fleisch in den Krabbenscheren zu kommen. Es zerfaserte sofort und ließ sich nicht, wie das deutlich festere Hummerfleisch, am Stück aus der Chitin-Schale ziehen. Im Vergleich hatte mir die recht ähnliche Garnelensuppe in Tela ohnehin viel besser geschmeckt, nicht zuletzt, weil sie deutlich raffinierter gewürzt gewesen war.

Um 15 Uhr legten wir dann wieder ab. Die Rückfahrt mit Vollgas dauerte nur gut 35 Minuten, dabei hüpfte das Boot einige Male ganz ordentlich über die am Nachmittag aufkommenden Wellen. Obwohl die Fahrt über den Rio Dulce als „Must do“ angepriesen wird, stuften wir sie eher als „Can do“ ein, für Leute mit Zeit, die gern auf dem Wasser unterwegs sind. Vor der Rückkehr zur Lodge hoben wir noch am ATM der Industrial Bank Guatemala (BI) Geld ab. In Rio Dulce lag die Höchstsumme bei 2.800 Quetzales und die fixen Gebühren bei 4 US$ bzw. 32 Quetzales. Das ist etwas günstiger als an den allgegenwärtigen 5B-ATMs der Banrural mit einem Limit von 2.000 Quetzales und mehr als 5 US$ bzw. 41 Quetzales Gebühr.

Das kleine Castillo San Felipe de Lara am Rand des Izabal-Sees ist eine Rekonstruktion von 1957.

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