8. Tag

Als wir um 22 Uhr das Licht gelöscht hatten, hatte es zu regnen begonnen, und erst als wir um 7 Uhr beim Frühstück saßen, hörte es wieder auf und die Sonne kam heraus. Diese schien dann durchgehend, bis wir nach dreieinhalb Stunden im 205 km entfernten Flores ankamen. Wir hatten nur kurz auf halber Strecke in Poptun gestoppt. Dort umrundet die Straße U-förmig die Landepiste des kleinen Flughafens und führt an einem „Maxi Despensa“-Supermarkt vorbei, der erst vor wenigen Tagen eröffnet hatte und zum US-Konzern Walmart gehört. Wir kauften ein paar Trinkjoghurts und staunten über das umfassende Angebot, das von Smartphones und TV-Flatscreens über Lebensmittel aus der Frischetheke bis zu Weihnachtsdeko und Autoreifen reichte. Auf der Weiterfahrt über die tadellose CA-13, die oft kilometerweit schnurrgerade verlief, dachten wir an die unzähligen honduranischen Pulperias und guatemaltekischen Tiendas, die in jedem Ort die Leute mit allem Notwendigen versorgten und einem solchen Handelsgiganten wohl wenig entgegenzusetzen hätten. Aber vielleicht halten die Leute in Mittelamerika ja all den kleinen und vertrauten Läden die Treue und die Dorfstraßen veröden nicht, wie mancherorts die deutschen Innenstädte?

An der Kreuzung mit dem Schild nach Tikal sah es dann immer noch nicht nach dichtem Urwald aus, wie man ihn erwarten würde. Doch wir bogen zunächst nach Santa Elena am Petén-Itzá-See ab, dem drittgrößten See des Landes. Wir fuhren erst an einem riesigen Militärgelände vorbei, mit grauer Betonmauer, zahlreichen gedrungenen Wachtürmen, die nur teilweise besetzt waren, sowie einem aufgestellten Spähpanzer und einem martialisch bemalten Kampfjet älterer Bauart. Direkt vor der Stadt durchquerten wir dann ein großes Gewerbegebiet mit einem weiteren „Maxi Despensa“ und den unvermeidlichen US-Fastfood-Ketten. Direkt hinter dem Burgerking überquerten wir anschließend die Brücke auf die kleine Insel im See, auf der sich Flores seine hübsche Anmutung erhalten hat. Die kleinen bunten Häuser der Schwesterstadt von Santa Elena erinnern an ein südfranzösisches Dorf und die touristische Infrastruktur lässt keine Wünsche offen. Benannt ist Flores nach Cirilo Flores, dem 1824 amtierenden Vizepräsidenten von Guatemala. Die Maya nannten die ganze Insel „Tayasal“. Sie war ihre letzte Zufluchtsstätte und wurde von den Spaniern erst 1697 erobert. Als Hernán Cortés 1525 auf dem Weg nach Honduras an der Insel vorbeizog, ließ er aber bereits sein verwundetes Pferd dort zurück. Der Legende nach verehrten die Maya dieses ihnen unbekannte Wesen als Gott und gaben ihm Gold und Silber als Futter, so dass das Tier elendig verhungerte.

Als wir gerade im „Villa del Lago“, einem kleinen Hotel mit Seeterrasse direkt am Wasser, eingecheckt hatten, öffnete der Himmel ganz unvermittelt seine Schleusen. Doch nach etwa 15 Minuten war der Wolkenbruch vorbei und die Sonne schien wieder. Wir nutzten dann den Nachmittag, um ganz gemütlich die kleine Insel zu umrunden, was ebenfalls nur eine Viertelstunde dauerte. Da der Wasserstand des Sees gestiegen war, stand die Uferpromenade im Osten jedoch komplett unter Wasser. Nachdem wir auch die schmucke Plaza auf dem Hügel in der Ortsmitte mit der kleinen weißen Kirche „Nuestra Senora de Los Remedios“ besucht hatten, setzten wir uns an der westlichen Promenade in ein Restaurant mit Seeblick und tranken zur Happy Hour einen sehr leckeren Daiquiri Sandia, mit wenig weißem Rum und viel Melonensaft.

Der große Tisch neben uns war reserviert und schon bald trafen die ersten von etwa 10 Damen ein, die die Babyshower, also die bevorstehende Geburt einer Freundin, wie in den USA mit einer Party feiern wollten. Alle hatten sich herausgeputzt und es wurden noch schnell die Sandalen eingepackt und die unbequemen High Heels angezogen oder die Haare zu einem dekorativen Zopf geflochten. Danach ging es ans Ausschmücken des Lokals. Jede Freundin hatte dafür etwas anderes mitgebracht: Bunte Luftballons, die aufgeblasen und zu einer Girlande verknotet wurden, XXL-Papierblüten mit goldenen Elementen oder ganze Blumen aus Krepppapier. Zudem wurde ein Tisch aufgestellt, mit einer goldenen Decke, kleinen Geschenken für die werdende Mutter und einer Etagere mit selbstgebackenen Cupcakes, verziert mit rosa Buttercremerosetten. Als wir später nach dem Abendessen kurz nach 20 Uhr noch einmal dort vorbei kamen, war die Feier aber bereits zu Ende und alle gingen gerade nach Hause.

Die Maya nannten die ganze Insel Flores „Tayasal“. Sie war ihre letzte Zufluchtsstätte vor den Spaniern.

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