11. Tag

Heute ließen wir es gemütlicher angehen und gingen erst um 7 Uhr zum Frühstück. Danach beobachteten wir im Garten und den umliegenden Bäumen zwei Kolibris, ein Pärchen grüne Papageien und auch drei Tukane. Anschließend fuhren wir zurück bis El Remate und von dort in Richtung Melchio de Mencos an der Grenze zu Belize. Auf halber Strecke bogen wir dann zur alten Mayastadt Yaxhá ab. Dieser Name bedeutet „blau-grünes Wasser“, denn Yax ist das Mayawort für blau-grün und Há für Wasser. Die 11 km lange Piste mit steinigem Untergrund, der stellenweise stark ausgewaschen war, rumpelten wir immer wieder nur im Schritttempo entlang. Schließlich erreichten wir aber ohne Probleme die El Sombrero Eco Lodge, schön gelegen direkt am Ufer der Lagune.

Wir checkten kurz ein und fuhren dann gleich weiter zu den etwa 2 km entfernten Ausgrabungen. Während in Tikal hohe Urwaldriesen mit dichtem Unterholz darunter und dicke Wurzeln quer über den Wegen dafür sorgten, dass man mit etwas Phantasie den Eindruck hatte in einer Wildnis unterwegs zu sein, erinnerte Yaxhá eher an eine Parklandschaft. Die Wege waren eben, es gab viele Holztreppen an unwegsameren Stellen und die meisten Bäume waren deutlich kleiner. Zudem gab es zwar Farne und Moose, aber nur wenig Unterholz. Wie in Tikal sind jedoch nur einige Gebäudekomplexe ausgegraben und restauriert, während die meisten nach wie vor im Erdreich verborgen liegen und nur als bewachsene Hügel zu erkennen sind. Auch in Yaxhá hörten wir die Brüllaffen lautstark in der Ferne, sahen aber keines der Tiere.

Wir stiegen dann auf die höchste Pyramide der Nord-Akropolis und hatten von dort einen tollen Ausblick auf das umliegende Gebäudeensemble. An einem Baum sahen wir zudem mehr als ein Dutzend leere Hüllen von Zikaden kleben. Auf dem Rückweg von der Maler-Gruppe zum Ausgang entdeckten wir noch ein halbes Dutzend Spinnenaffen in den Baumwipfeln neben dem Weg und einen kleinen Fuchs, der auf Insektenjagd war. Um 17 Uhr erklommen wir schließlich die Pyramide 216, auch Tempel der roten Hände genannt, die dort als Abdrücke an der Wand eines Raumes zu sehen sind. Von der Plattform der mit 30 m höchsten Pyramide der Stadt kann man die Sonne über der 8 km2 großen Laguna Yaxhá untergehen sehen. Dort oben erzählte uns Ranger Gilberto, dass er und seine Kollegen im Park 24-Tage-Schichten schieben und dabei in einer Hütte wohnen. Als er dort einmal um 1 Uhr nachts aufwachte, sei ein Jaguar vor dem Fenster vorbei geschlichen. Das sei vor nur sechs Wochen gewesen, tagsüber bekäme man die scheuen Raubkatzen aber so gut wie nie zu Gesicht.

Yaxhá ist erst seit 2010 offiziell zugänglich und liegt im 370 km2 großen Yaxhá-Nakum-Naranjo Nationalpark, der aufgrund seiner Feuchtgebiete ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel ist. Das hat die RAMSAR-Convention 2005 offiziell bestätigt. Neben Yaxhá bilden die drei wichtigsten Maya-Stätten im Park ein geografisches Dreieck: Topoxté auf einer Insel in der Lagune, der alte Hafen Nakum und Naranjo 20 km weiter nördlich. Diese Stadt war die Langzeitrivalin von Yaxhá. Darüber hinaus gibt es über 300 weitere archäologische Stätten im Nationalpark, von denen aber oft nicht viel zu sehen ist.

Von der höchsten Pyramide der Nord-Akropolis in Yaxhá hat man einen tollen Ausblick auf die umliegenden Gebäude.

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