11. Tag

Um 4 Uhr kam der Morning Tea und wenig später fuhren wir schon zum Tor des Nationalparks, um möglichst weit vorne in der Schlange der Gypsys zu stehen, wenn um Punkt 5.30 Uhr der Schlagbaum hochging. Wir fuhren dann in die Kernzone Kanha, wo uns auf der Piste zuerst zwei Goldschakale begegneten. Kurze Zeit später trafen wir auf Tigerin Naina, die ebenfalls auf dem Fahrweg unterwegs war. Sie lief direkt auf die vier Gypsys zu, die im Rückwärtsgang immer wieder vor ihr zurückwichen, um den vorgeschriebenen Mindestabstand von 50 m einzuhalten. Zwischendurch legte sich die Raubkatze unter einen Baum und rollte verspielt im Sand herum. Schließlich zog sich sie aber ins Gebüsch zurück.

An einer Wasserstelle beobachten wir dann eine Gruppe Axishirsche, einen Trupp Hanuman-Languren und ein paar Wildschweine beim Trinken. Anschließend machten wir Frühstückspause am Besuchszentrum des Nationalparks. Dazu gingen wir in die Cafeteria, wo Fahrer und Guide den sehr gut bestückten Frühstückskorb aus dem Tisch ausbreiteten. Das Cafeteria-Personal störte das nicht, denn viele andere Besucher machten es ebenso. Nach einem Foto eines dekorativen Torbogens aus hunderten von Hirschgeweihen, sahen wir uns noch kurz im Shop um. Dort kauften wir das letzte eingeschweißte Exemplar des tollen Coffeetable-Books „Kanha Tiger Reserve – A wilderness legacy“ zum Einführungspreis von 1.700 statt 2.300 INR. Es zeigt auf 228 Seiten die Bilder von 64 der besten indischen Naturfotografen.

Dann fuhren wir frisch gestärkt wieder los. Bald sahen wir einen Gypsy an der Piste stehen und sofort hatte Dinesh den für unsere ungeübten Augen nahezu unsichtbaren Tiger Bajrang (T64) entdeckt. Er lag etwa 10 m entfernt im Gebüsch und schlief. Bajrang komme normalerweise nur selten an die Pisten und sei recht scheu, erfuhren wir. Das Tier ließ sich jedoch nicht stören und schaute nur einmal kurz in unsere Richtung. Als wir zum Gate zurückkamen, war dort ein Stand aufgebaut worden und wir durften auf einer großen Leinwand mit vorgezeichneten Bereichen ein blaues oder rotes Tiermotiv aufstempeln. Die Leinwand war ein kleines Stück eines großen Tigerbildes, das zum nationalen „Save the Tiger-Day“ am 29. Juni aus ganz vielen in ganz Madhya Pradesh bestempelten Leinwänden zusammengesetzt werden sollte.

Um 12.30 Uhr waren wir dann zurück am Resort. Dort trafen wir Navneet beim Mittagessen. Er habe sich den Wecker auf 3.30 Uhr gestellt, sich angezogen und dann in seine Mails geschaut. Als er die dringendsten Nachrichten beantwortet hatte, wäre es leider schon 5.30 Uhr gewesen. Daher hatte er uns nicht begleiten können. Er erzählte, dass das Eco Resort gewissermaßen sein Hobby sei. Hauptberuflich führe er eine Fabrik für säurebeständige Ziegel und zwei kleine Krankenhäuser in Jabalpur.

Weil in Madhya Pradesh alle Nationalparks jeden Mittwoch nachmittags geschlossen sind, hatte Navneed angeboten mit mir zu einem Fuchsbau in der Nähe zu fahren, um dort die Elterntiere mit ihren fast erwachsenen Jungen zu fotografieren. Solche Bilder hätte kaum jemand, weil Füchse nur selten in den Nationalparks auftauchen würden, erklärte er. Die Tiere kämen meist nachmittags gegen 16 Uhr aus ihrer Höhle, aber er wollte sich noch mal nach der besten Zeit erkundigen. Ein Anruf ergab dann jedoch, dass die Füchse seit zwei Tagen nicht mehr gesehen worden waren. Navneet schickte daher einen Mitarbeiter zum Bau, der Bescheid geben sollte, falls die Tiere wieder auftauchten. Es kam zwar kein Anruf, doch auf dem Resort-Gelände konnte ich stattdessen drei Hanuman-Languren im großen Mango-Baum direkt vor unserem Cottage beobachten und viele bunte Vögel an einer kleinen Tränke. Außerdem reicht die Zeit bis zum Abendessen noch für ein Bad im wohltemperierten Pool.

Auf diese Begegnung hoffen alle. Hier erscheint Tigerin Naina am Morgen auf der Piste in der Kernzone Kanha im gleichnamigen Nationalpark.

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