17. Tag

Nach dem Frühstück unterhielten wir uns länger mit Alexander Berg, der das Resort zusammen mit seiner Frau Sonja 2008 nach zehnjähriger Planung eröffnet hatte. Das Ehepaar war insgesamt drei Mal in der VOX-Sendung „Goodbye Deutschland“ dabei gewesen und bis zum Jahr 2016 sei es auch ganz gut gelaufen. Seit der 18%-Steuererhöhung der tansanischen Regierung zum ersten Juli, während die kenianische Regierung zeitgleich die Eintritte in die Nationalparks um 50% gesenkt hatte, seien die Buchungen aber regelrecht eingebrochen. Insgesamt wäre die Finanzlage des Beach Crab Resorts ohnehin schon nicht allzu rosig gewesen, denn die Regierung verspreche seit zehn Jahren die Küstenstraße, auf der bisher leider kein Bus- oder Pendelverkehr stattfinde, zu asphaltieren, aber passiert sei noch immer nichts. Zudem gebe es im 3 km entfernten Ushongo Breitbandinternet, im Resort dagegen oft gar keine Verbindung. Alexander versuchte deshalb seit längerem vergeblich auch einen schnellen Internetzugang zu bekommen. Seiner Meinung nach würde es dazu ausreichen den Funkmast im Dorf neu zu kalibrieren, aber auch in diesem Punkt passiere nichts. Da in der Gegend auch immer mehr Brunnen gebohrt worden sind, ist der Grundwasserspiegel dadurch so weit gesunken, dass vom Ozean Meerwasser ins Land hineindrückt. Darum liefert der Brunnen des Resorts inzwischen nur noch salziges Wasser für die Badezimmer der Bungalows.

Ein paar Kilometer weiter nördlich sei im Meer zudem der prähistorische Quastenflosser nachgewiesen worden. Die Regierung habe daraufhin kurzerhand ein Meeresschutzgebiet ausgewiesen und dieses 5 km weit ins Inland ausgedehnt. Grundsätzlich sei das ja eine gute Sache, aber nun müssten alle Hotels und Resorts, die innerhalb des Gebietes liegen, eine zusätzliche hohe Jahresgebühr zahlen und ihren Gästen pro Tag 20 US$ Entrance Fee in Rechnung stellen. Das gehe einigen an die Existenz.

Auch das Ehepaar Berg möchte sich aufgrund dieser Entwicklungen aus Tansania zurückziehen und das Resort für eine Million US$ verkaufen. Bisher gebe es aber keine Interessenten. Während Sonja schon nach Deutschland in ihre Heimatstadt Aachen zurückgekehrt ist, weil es für die vierjährige Tochter bestenfalls in Dar-es-Salam eine gute Schule gebe, die aber 2.000 US$ im Monat koste, hilft Alex noch in seinem Resort aus. Die meiste Zeit des Jahres managen aber ehemalige Volunteers aus Deutschland die Anlage, doch auch dafür würden die Kosten immer höher und die Vorschriften immer komplizierter. In der Folge müsse man bald wohl einheimische Manager einstellen und die Standards etwas absenken, damit die Anlage wenigstens geöffnet und so möglichst viel Wert erhalten bleibe.

Nach dem Gespräch fuhren wir dann bei feucht-heißem Wetter los. Die Küstenstraße war gerade von einem Straßenhobel geglättet worden, so dass sie mit 60 km/h gut befahrbar war. Am Tor des Sadaani-Nationalparks waren erst mal 295 US$ für den Eintritt und die Bootsfahrt auf dem Wami-River fällig. Im Park ließen sich in der Mittagshitze jedoch nur drei Paviane blicken. Im Zentrum, im Dorf Sadaani gab es dann zum Lunch drei lauwarme Cola und zwei Packungen Kekse aus Indien, die wir in einem kleinen Laden kauften, der sich neben einem verwaisten großen Gastraum unter einem luftigen Strohdach befand. Das freitragende Dach war ebenso wie das Dach der Terrasse im Beach Crab Resort kunstvoll aus den stabilen und sehr leichten Stilen der Sisalpflanzen konstruiert worden. Bei Verwendung einer anderen Holzsorte hätte das Eigengewicht dagegen Stützpfeiler erforderlich gemacht.

Wir fotografierten noch die Reste eines alten Forts und einen Fischer, der seinen kärglichen Fang, der auch einige Langusten umfasste, auf zwei Plastiktüten im Schatten einer Hauswand sorgfältig sortierte. Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Bootssteg. Schließlich stand an der Hauptpiste ein kleines Schild mit der Aufschrift „Jetty 5 km“. Wir bogen ab und gelangten hinter einer Schranke auf das Gelände einer großen Salzfabrik mitten im Nationalpark. Dort häuften Schaufellader Berge von Salz auf und es gab ein großes Areal mit rötlich schimmernden Verdunstungsbecken. Über die lehmigen Verbindungsstege dazwischen transportierten Traktoren mit Anhängern die Salzarbeiter zu ihren Einsatzorten. Auch der Weg zum Anleger führte über diese holperigen Stege, bis wir schließlich vor einem tief ausgefahrenen, etwa 2 m langen Schlammloch standen, in dem unser RAV4 wohl stecken bleiben würde. Wir mussten also die aufgeschüttete Böschung hoch, um es zu umfahren. Nachdem wir den Weg zurück auf die Piste mit Hilfe von Ästen, die wir als Grabstöcke benutzten, noch etwas eingeebnet hatten, erreichten wir schließlich um 15.30 Uhr nur wenige Kilometer weiter einen kleinen Steg mit einer überdachten Holzplattform am Flussufer. Auf dem kleinen Boot waren wir die einzigen Passagiere und der Guide, der ohnehin kein Englisch sprach, war recht wortkarg. Unterwegs sahen wir immer wieder kleine Flusspferd-Gruppen, einige Kormorane, Eisvögel, Löffler und ein paar Reiher. Unser Guide interessierte sich aber mehr für sein Smartphone in einer goldenen Hülle, mit dem er auch mehrfach telefonierte. Trotzdem entdeckte er zwei Krokodile, die gut versteckt im Mangrovendickicht am Ufer lagen. Als wir schließlich umdrehten, fand er noch ein Jungkrokodil, das über die Böschung lugte, und ein zweites im Wasser, das uns bis auf etwa einen Meter heran kommen ließ, bevor es abtauchte. Dann hatte unseren Guide scheinbar das „Jagdfieber“ gepackt und er zeigte uns noch drei weitere Krokodile. Außerdem entdeckten wir einen Fischadler, der gut sichtbar auf der Spitze eines hohen, abgestorbenen Baumes saß.

Die Weiterfahrt nach Bagamoyo erfolgte dann in der einsetzenden Dämmerung und führte an vielen Dörfern vorbei, wo die Leute vor ihren Hütten saßen und wir die zahlreichen Holzkohlefeuer riechen konnten. 10 km vor Bagamoyo war die Straße sogar wieder geteert. In völliger Dunkelheit fanden wir mit Hilfe der Smartphone-App „Osmand“, die kostenlos und internetunabhängig ist, problemlos den kürzesten Weg durch die Stadt und weiter ins 15 km entfernte Fischerdorf Mlingotini. Dort standen wir schließlich vor dem verschlossenen Tor der Bomani Beach Bungalows. Erst rührte sich nichts. Als wir hupten öffnete sich aber eine kleine Tür im Tor und ein Mann im Blaumann kam heraus. Er sprach kaum Englisch und erklärte zunächst man sei total ausgebucht und wollte uns wegschicken. Als wir einfach stehen blieben, gestand er schließlich, dass kein einziger Gast dort sei und er als Torwächter mit zwei Hunden allein auf dem Gelände wäre.

Er ließ uns dann doch ein und bat uns zu warten. Nach einer Viertelstunde kam dann Lucrenzia aus dem Dorf, die gut Englisch sprach. Sie gab uns ein Zimmer und bedauerte, dass das Restaurant des Resorts geschlossen habe, öffnete aber immerhin die Bar. Da wir keine Lust hatten zurück ins Dorf zu fahren, wo die meisten Geschäfte sowieso schon geschlossen hatten, gab es zum Abendessen kaltes Bier und Fanta sowie eine Rolle Pringles aus der Bar und einen Beutel geröstete Erdnüsse mit pikanter Ummantelung, die wir schon in Arusha als Notration gekauft hatten. Während wir sie mit Lucrenzia zusammen knabberten, erzählte sie vom schlechten Geschäftsjahr 2016 aufgrund der staatlichen Preiserhöhungen. Die Besitzerin des Resorts, die Norwegerin Solfrid Gjengset, genannt „Mama Bomani“, habe in der vergangenen Woche erst vier Mitarbeiter entlassen müssen. Auch die hauseigene Dhau sei leider noch nicht aus der Werft zurück. Aufgrund eines Wassereinbruchs war sie zur Reparatur nach Nungwi im Norden von Sansibar bzw. „Unguja“, wie die Hauptinsel des Archipels vor der Küste korrekterweise heißt, gebracht worden. Die Arbeiten hatten Ende September abgeschlossen sein sollen, zögen sich aber noch immer hin. Als Alternative schlug sie ein kleines Fischerboot vor, die Überfahrt mit Segel könne aber bis zu zehn Stunden dauern. Wir vertagten die Frage und gingen erst mal zu Bett.

Mitten im Sadaani-Nationalpark befindet sich eine Salzfabrik mit riesigen Verdunstungsbecken.

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