16. Tag

Für den Tadoba-Nationalpark hatten wir nur noch zwei Safaris in die Pufferzonen Junona und Agarzari bekommen können, da die Kernzonen schon Monate vorher ausgebucht gewesen waren. Um 4.30 Uhr kam dann der Wake Up-Call und um 5 Uhr brachen wir nach Junona auf. Am Gate wurden dort zusätzlich noch 250 INR Fotogebühren für Kameras mit über 250 mm Brennweite erhoben. Zudem erfuhren wir, dass Smartphones im Park nicht erlaubt seien. Dafür bekamen wir zwei Erklärungen. Version 1: Das Verbot sei erlassen worden, weil viele Leute Selfies gemacht und dabei den Arm weit aus dem Fahrzeug gestreckt hätten, was gefährlich sei und auch die Tiere irritiert hätte. Version 2: Einige Dorfbewohner sollen immer wieder auf der Brücke einer Durchgangsstraße durch den Park gestanden haben, um dort einen Tiger mit ihren Smartphones zu fotografieren, der sie schließlich angegriffen habe. Klingt beides etwas seltsam, aber es ist ja vieles möglich, was man nicht glauben mag, wie etwa ein US-Präsident Trump oder der Brexit und vielleicht ein britischer Premier Boris Johnson.

Hinter dem Gate fuhren wir erst durch ein Waldstück, dann durch mehrere Dörfer und an Feldern entlang, die in den Pufferzonen erlaubt sind. Schließlich erreichten wir wieder ein Waldstück und kamen an eine künstliche Wasserstelle. Diese war zwar wenig fotogen, denn sie sah aus wie ein geflutetes Baggerloch, aber wie sahen gerade noch, wie zwei Tiger über die Böschung verschwanden. Kurz darauf kam noch ein dritter hinzu. Es handelte sich bei der kleinen Gruppe um Tigerin Maduri mit ihren beiden fast erwachsenen Jungen. Wir konnten der Familie zusammen mit nur einem anderen Gypsy gut 10 Minuten lang folgen, während sie die Piste entlang trotteten. Dabei sahen wir die Tiere aber fast nur von hinten, denn sie drehten sich nur selten ganz kurz um. Schließlich verschwanden sie dann im Gebüsch. Unser Guide entdeckte zudem noch fünf schlafende Eulen in verschiedenen Bäumen und einige andere Vögel. Auch ein paar Axis-Hirsche, eine kleine Rotte Wildschweine, drei Sambar-Hirsche und ein Gaur zeigten sich. Insgesamt ließen sich aber vergleichsweise wenige Tiere blicken.

Am Nachmittag starteten wir um 14.30 Uhr zur Pufferzone Agarzari. Der Camp-Manager hatte uns vier gekühlte Flaschen Trinkwasser gegen die Hitze und einen großen Schirm in Tarnfarben gegen die Sonne mitgegeben. Am Tor sprach uns dann Nikhil an, der mit seiner achtköpfigen indischen Familie eine Jungle-Safari machen wollte. Da nur sechs Personen pro Gypsy erlaubt sind, fragte er uns, die wir ja nur zu zweit waren, ob wir noch zwei Plätze frei hätten. Da er die Hälfte der Safarikosten übernehmen wollte, waren wir uns schnell einig.

Die beiden Inder stiegen zu und wir fuhren los, ganz unbürokratisch. Eigentlich erstaunlich, hatten wir doch bei der Buchung der Safaris in allen Nationalparks immer schon im Vorfeld unsere Passnummern angeben müssen, die dann an den Gates auch penibel kontrolliert worden waren. Allerdings war uns dabei schon aufgefallen, dass auf den Buchungsformularen die noch freien Plätze einfach mit Phantasie-Namen besetzt worden waren und selbst bei uns das Alter oft nicht mit den Angaben im Pass übereinstimmte. Bei unseren beiden „Gästen“ fand jedenfalls keinerlei Überprüfung von irgendetwas statt.

Und so fuhren wir zunächst auf einer schnurrgeraden Piste in den Wald und kamen schließlich an eine große Lichtung. Ein mäandernder Bach sorgte dafür, dass diese ganzjährig üppig grün war. Auf den Bäumen dort saßen zwei Schlangenweihen (Crested Serpent Eagle) und zwei Orientalische Wespenbussarde (Oriental Honey-buzzard). Im Gras waren viele Kuhreiher unterwegs und auch einige andere Vögel. Zu dieser Wiese sollten wir mehrfach zurückkehren, um dort (vergeblich) auf einen Tiger zu warten. Später hörten wir in der Ferne ein Gewitter, das mit Blitzen und Donner rasch näher kam. Als es mit einem heftigen Platzregen über uns hinweg zog, leistete uns der Schirm gute Dienste, während die beiden Inder den Regen als willkommene Erfrischung ansahen und bald völlig durchnässt waren, was sie aber nicht im Geringsten störte. Wir hatten ihre Landsleute ja in Orchha schon beim Baden beobachten können. Dort waren sie sogar in voller Montur in den Fluss gestiegen und hatten nur die Schuhe ausgezogen.

Unser Guide legte nach dem Regen noch immer großen Ehrgeiz an den Tag, um den Tiger zu finden. Dieser ließ sich aber auch nicht auf der Wiese blicken, als die Sonne wieder schien. Wir schöpften die Zeit dann voll aus und schließlich entdeckte der Guide doch noch ein junges, noch namenloses Tigermännchen im dichten Bambus-Busch etwa 10 m neben der Piste. Die Raubkatze lag dort ganz entspannt und nur ein kleines Stück des gestreiften Fells war klar zu erkennen. Somit war das Tier zwar kein Fotomotiv, aber der 17. Tiger, den wir auf unseren insgesamt 12 Safaris zu Gesicht bekommen hatten. Um 19 Uhr waren wir dann wieder am Gate und um 19.30 Uhr im Camp, wo eine Stunde später das Abendessen serviert wurde.

In der Pufferzone Junona des Tadoba-Nationalparks lebt 2019 Tigerin Maduri mit ihren beiden fast erwachsenen Jungen.

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