13. Tag

Zum Abschluss stand noch einmal eine Tour in die Kernzone Kanha an. Heute sei der Dschungel aber ruhig, meinte der Guide. Wenn wir lauschten, rauschten bei jedem Windstoß jedoch die Blätter der Sal-Bäume und einige ihrer reifen Samen trudelten wie kleine dreiflügelige Propeller zu Boden. Unterwegs sahen wir wieder zahlreiche Hanuman-Languren, viele Axishirsche, die mit 25.000 Exemplaren im Nationalpark die Hauptbeute der Tiger sind, und auch einige Wildschweine, die laut Dinesh für einen Tiger wie ein Hamburger zwischendurch sind. Zudem begegneten wir der Tigerpatrouille auf drei Reitelefanten, die wir später noch bei einem Bad in einem Teich wiedersahen.

Von der Piste aus hatten wir schließlich freien Blick in ein hübsches Tal, in dem für ein tolles Landschaftsfoto eigentlich nur noch der Tiger fehlte. Als wir nach der Frühstückspause wieder dort vorbei kamen, zeigte sich tatsächlich auch bei unserer fünften und letzten Safari in Kanha ein Tiger. Es war Bajrang junior, der noch keine eigene Nummer hat. Er querte kurz das Tal und legte sich dann am gegenüber liegenden Hang für ein Schläfchen in der einsetzenden Mittagshitze in den Schatten. Ich hatte zuvor schon ein Foto des Tals mit Tiger gemacht, wobei dieser beim vollen Bildausschnitt mehr zu erahnen als zu sehen war.

Zurück im Eco Resort aßen wir dann noch zu Mittag und brachen um 13 Uhr zum Pench-Nationalpark auf. Zum hervorragenden Service des Resorts gehörte es, dass wir für die Fahrt noch zwei kalte Flaschen mit per Umkehrosmose gefiltertem Wasser bekamen. Zweimal täglich waren uns auch neue Wasserflaschen aufs Zimmer gebracht worden. Zudem hatte man uns bei jeder Rückkehr von einer Safari ein feuchtes Tuch gereicht, um uns den Staub abzuwischen, und ein Glas kalte Limonade zur Erfrischung. Und als es nach Regen ausgesehen hatte, waren eine Plastiktüte für die Kamera und eine Regenjacke schnell zur Hand gewesen. Die tadellosen Cottages des Resorts hatten zwar einen etwas rustikalen Charakter, aber der Service war wie in einem 5-Sterne-Hotel.

Die 220 km-Fahrt zum nächsten Nationalpark dauerte dann vier Stunden, weil die NH7 auf den letzten 50 km, auf denen sie schließlich durch das Parkgelände führte, gerade auf vier Spuren erweitert wurde. Daher gab es viele Baustellen und Umleitungen. Dadurch übersah unser Fahrer auch den Abzweig zum Turia-Gate, und weil er nur wenig Englisch sprach, waren wir schon 20 km zu weit gefahren, als wir ihn endlich überzeugt hatten umzudrehen. Da unser Fahrer nicht nur Transfers machte, sondern auch bei Safaris am Steuer eines Gypsys saß, kannte er aber fast alle englischen Tiernamen und auch die Namen der Tiger. Zudem wusste er beim Stichwort Sloth Bear sofort, dass wir diesen wohl auf den Kanha Meadows gesehen hatten. So hatte man zuerst nicht den Eindruck, dass sich seine Englischkenntnisse nur auf relativ wenige Stichworte beschränkten.

Schließlich kamen wir um 17 Uhr im Pench Jungle Camp an. Als wir das Camp-Gelände erkundeten, stellten wir fest, dass der angrenzende See bis auf den letzten Tropfen ausgetrocknet war. Vor dem Abendessen sahen wir uns dann noch um 19.15 Uhr in der Lobby die BBC-Dokumentation „Tiger-Spy in the Jungle“ an, die in den Jahren 2004-2007 in Pench gedreht worden war. Die Filmcrew aus England hatte dabei im Camp gewohnt und war im Gelände mit Reitelefanten unterwegs gewesen. Gefilmt worden war mit getarnten und ferngesteuert fahrbaren Spy-Cams, von denen das aus Sprühschaum hergestellte Trunk-Cam-Gehäuse im Original bis heute als Andenken unter dem Fernseher steht. Durch den Film erfuhren wir, dass die Wälder von Pench die höchste Dichte an Beutetieren in ganz Indien bieten, während beispielsweise die Sal-Wälder von Kanha weniger produktiv sind. Denn die Wälder wurden früher von den umliegenden Dörfern genutzt, deren ehemalige Äcker heute zu den großen Wiesenflächen des Kanha-Nationalparks geworden sind.

So sieht die Landschaft im Kanha-Nationalpark aus. Es gibt aber auch große Wiesen auf den ehemaligen Äckern der früheren Dörfer.

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