6. Tag

Als wir unsere Sachen gepackt hatten und die Certosa verließen, begann es schon wieder zu regnen. Wir fuhren dann zuerst nach Monteriggioni, ein kleines mittelalterliches Castello, das im Jahr 1213 als Vorposten Sienas gegen Florenz auf einem Hügel errichtet worden war. Der 570 m lange Mauerring ist bis heute intakt, fünf der 16 Wachtürme sind jedoch inzwischen verfallen. Die Burg liegt an der alten Handelsstraße „Via Francigena“, die schon Sigeric der Ernste, der Erzbischof von Canterbury, im 6. Jh. für seine 2.000 km lange Heimreise aus Rom in seine Heimatstadt nutzte. Heute folgt ein Fernwanderweg der alten Route durch die Toskana, vorbei an Lucca, San Miniato und durch das Elsa-Tal bis Siena. Mehr Informationen zum Castello liefert das digitale Wegeleitsystem „Die Burg von Monteriggioni 3.0“, basierend auf einer kostenlosen App und QR-Codes zum Scannen an 12 Stationen. Bei Regen war dort nicht viel los und wir bekamen sogar noch einen der 20 kostenlosen Stellplätze vor der Schranke zum Parcheggio. Im August und am Wochenende ist das kleine Dörfchen aber laut Reiseführer völlig überlaufen. Dabei gibt es nicht allzu viel zu sehen, ein paar Geschäfte und Enotecas und natürlich das Il Pozzo. Das von Michelin empfohlene Restaurant bietet typisch toskanische Gerichte an, wie gefüllte Taube, Kaninchen in Olivensoße oder Schwein in Fenchelsoße.

Wir fuhren dann über eine kleine, sehr kurvenreiche Straße weiter durch die Hügel des Chianti. Die Landschaft war dort nicht mehr geprägt von Getreidefeldern, sondern von Macchia, mediterranem Buschwerk, im Wechsel mit Steineichenwäldern und natürlich Weinstöcken. Im Castello di Meleto südlich von Gaiole angekommen, nahmen wir an einer kurzen Führung durch die Burg teil. So erfuhren wir, dass der zentrale Turm bereits um das Jahr 1.000 herum von Benediktiner-Mönchen errichtet worden war, um einen Brunnen und die umliegenden Weinstöcke zu schützen. Später gelangte das Anwesen in den Besitz der Familie Ricasoli, die es während des über Jahrhunderte andauernden Krieges zwischen Siena und Florenz zu einem Militärposten ausbaute. Im 18. Jh. wandelten die Ricasolis es dann in eine Landvilla im Barock-Rokoko-Stil um. Zur Ausstattung gehört seitdem auch ein kleines Theater aus dem Jahr 1741, mit den weltweit einzigen Originalkulissen aus dieser Zeit. Inzwischen ist die Burg mehrheitlich im Besitz der Schweizer Kellerei Schuler. Den Abschluss des Rundgangs bildete passend dazu der alte Weinkeller mit ganzjährig einheitlichen 16 °C und einer relativen Luftfeuchte von 70%.

Zum Abendessen fuhren wir ins 1 km entfernte Gaiole und entschieden uns für die „Osteria al ponte“. Das Personal war sehr freundlich, das Ambiente geschmackvoll, der Blick in die offene Küche zeigte vier junge Köche, die Speisekarte war übersichtlich und das Lokal nicht allzu voll. Beste Voraussetzungen also um die hochgelobte toskanische Küche zu genießen, sollte man meinen. Wir entschieden uns erwartungsfroh für Wildschwein-Karree (French Rack), ein Mittelstück vom Rücken, mit Lauch-Kartoffelstampf in Knoblauchcreme. Wir bekamen ein sehr kleines Stück Fleisch, etwas zäh, fast tot gebraten und nahezu geschmacksneutral. Ergänzend waren der Kartoffelstampf und die Soße in homöopathischen Dosen scheinbar mit dem Teelöffel portioniert worden, gestrichen nicht gehäuft. Das Ganze kostete dann pro Portion 20 Euro + 2 Euro Coperto. Dass es auf der Rückfahrt zur Burg dann wie aus Kübeln schüttete, erschien uns irgendwie passend.

Wir waren bisher drei Mal in etwas besseren Lokalen gewesen und jedes Mal mehr oder weniger enttäuscht worden. Die Gerichte waren nicht fein abgeschmeckt und ließen jede Finesse vermissen. Den aufgerufenen Preisen wurden sie absolut nicht gerecht. Als wir dagegen in einer einfachen Pizzeria eingekehrt waren, dem „Bella Napoli“ in Castelnuovo bei Siena, hatten wir eine große, solide und üppig belegte Pizza für unter 10 Euro bekommen und waren sehr zufrieden gewesen. Offenbar sollte man die Lokale sehr gut auswählen, um kein überteuertes Mittelmaß zu bekommen.

Das kleine mittelalterliche Castello „Monteriggioni,“ wurde im Jahr 1213 als Vorposten Sienas gegen Florenz auf einem Hügel errichtet.

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