20. Tag

Weil der Taj Mahal freitags geschlossen ist, stand er am heutigen Donnerstag bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel auf dem Programm. Am Morgen war die Schlange am East Gate noch kurz. Auf einem Schild mit Regeln für den Besuch hatte gestanden, dass man kaum etwas mit auf das Gelände nehmen dürfe, nicht einmal eine Wasserflasche. Dafür sei in den 1.000 INR Eintritt aber eine Wasserflasche enthalten, die wir jedoch nie bekamen. Zudem sahen wir hinter der Sicherheitskontrolle viele Leute mit großen Taschen oder Rucksäcken. Auch Schilder sind eben geduldig, nicht nur Papier.

Der Garten des Monuments war der gepflegteste, den wir auf unserer gesamten Reise gesehen hatten. Durch die großen Wasserbecken war es zudem möglich trotz der zahlreichen Besucher Fotos ohne Köpfe im Vordergrund zu machen. Der Kern des Taj Mahal besteht aus Ziegeln und ist innen wie außen mit Marmorplatten verkleidet, die in der Sonne strahlend hell leuchten. Damit das auch so bleibt, wird die gesamte Außenfassade jedes Jahr gereinigt.

Für den Besuch des Mausoleums und der Moscheen brauchte man die Schuhe nicht auszuziehen, sondern bekam ein Paar Überzieher. Obwohl Filmen schon im Garten verboten war und man im Inneren des Taj Mahal auch nicht Fotografieren durfte, sahen wir einen Amerikaner mit einer Baseballmütze und einer darauf gut sichtbar montierten, eingeschalteten GoPro-Kamera. Damit lief er an einem halben Dutzend Wachleuten vorbei und niemand sagte etwas, während vereinzelte Smartphone-Fotografen per Trillerpfeife sofort zurecht gewiesen wurden.

Durch die abgehängte Kuppeldecke war der Innenraum des Mausoleums deutlich niedriger als das imposante Außenmaß des quadratischen Gebäudes von 57 Metern. Die Dekoration der Wände war dezent und die Beleuchtung durch einen einzigen Leuchter, der mittig von der Decke hing, auch. So lenkte nichts von den beiden Kenotaphen des fünften Großmoguls Shah Jahan und seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal ab, die direkt nebeneinander hinter einer Einfassung aus Marmor auf ewig vereint sind. Die eigentlichen Gräber liegen jedoch darunter. Diese Trennung sollte üblicherweise den Herrscher vom Volk trennen, gleichzeitig aber verhindern, dass er in Vergessenheit geriet. Die Planungen für den Taj Mahal begannen nach Mumtaz Mahals frühem und unerwartetem Tod im Kindbett im Jahr 1631. 1643 war das Bauwerk fertig gestellt. Der Herrscher selbst starb 15 Jahre später 1658.

Am Nachmittag liefen wir 2 km an einer breiten Straße entlang zum Roten Fort. In der Festung mit einer 2,5 km langen Schutzmauer aus rotem Sandstein befinden sich auch die Marmor-Gemächer Shah Jahans mit Blick auf den Taj Mahal. Für die Besichtigung engagierten wir dieses Mal einen nicht autorisierten Führer, weil er einen charmanten und unterhaltsamen Eindruck machte. Sein Wissen hielt sich aber wie erwartet sehr in Grenzen.

Zurück am Taj Mahal tranken wir in einem Rooftop-Restaurant am West Gate einen Lassi. Dabei hatten wir einen guten Blick auf das Mausoleum, allerdings mit den Dachterrassen zahlreicher Häuser im Vordergrund. Auf einer davon ließ jemand seine Tauben aufsteigen und um seinen Schlag kreisen. Durch die Marktgassen und ein Wohnviertel der weniger begüterten Leute liefen wir anschließend wieder zum East Gate und gingen dort zum Abendessen ins Rooftop-Restaurant des etwas feineren „Taj Resorts“ mit Springbrunnen, Heizstrahlern und kleinem Pool. Von dort hatte man einen noch besseren Blick auf den Taj Mahal mit Bäumen und Grün im Vordergrund. Allerdings störte das Dach eines turmartigen Aufbaus des Nachbarhotels. Der Restaurantleiter erklärte, das andere Hotel sei erst vor einigen Jahren gebaut worden und der Turm diene nur dazu seinen Gästen den Blick zu versperren und sie so hinüber zu locken. Da die Behörden eine weitere Aufstockung des Turms untersagt hatten, habe der Besitzer kurzerhand ein Zimmer mit Glaswänden und einem Wellblechdach darauf gesetzt, in dem nun ein Angestellter wohne. Dieser Aufbau sei zwar illegal, aber man könne nichts dagegen tun. Wenigstens rage ein hochgewachsener Eukalyptusbaum den dortigen Restaurantgästen ins Bild, der bisher allen Versuchen widerstanden habe, ihn eingehen zu lassen. Und gefällt werden dürften in der Gegend keine Bäume, um die Umgebung des Taj Mahal attraktiv zu halten und dem Smog ein wenig entgegen zu wirken. Abschließend empfahl er dann noch das Rooftop-Restaurant des Hotels „Taj Plaza“ schräg gegenüber, mit einem vollkommen unverstellten Blick.

Der Taj Mahal zählt seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der indische Dichter Rabindranath Tagore nannte das Grabmal in einem seiner Gedichte „eine Träne auf der Wange der Zeit“.

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