10. Tag

Wir fuhren ins nur 10 km entfernte Bayeux. Die alte Bischofsstadt ganz in der Nähe der D-Day Strände hatte den Krieg unbeschadet überstanden, weil sie bereits am zweiten Tag der Invasion von den Amerikanern eingenommen werden konnte. In der über 2.000 Jahre alten Stadt wird der weltberühmte, fast 1.000 Jahre Wandteppich ausgestellt, der die Invasion Englands durch Wilhelm den Eroberer erzählt. Die kunstvollen Stickereien auf dem 70 m langen und 50 cm breiten Textil beginnen bei der Vorgeschichte des Feldzugs und enden nach der Schlacht von Hastings.

Gefertigt wurde der Teppich um 1077 in einer englischen Stickerei, im Auftrag vom Bischof von Bayeux, Odo von Conteville, dem Halbbruder von Wilhelm. Der Geistliche ist auch selbst mehrfach in verschiedenen Szenen zu sehen, unter anderem als er hoch zu Roß selbst mit in die Schlacht zieht. Da ihm aber verboten war Blut zu vergießen, trug er als Waffe kein Schwert und auch keine Lanze, sondern eine Keule. So konnte er seine Gegner, die Truppen von Graf Harold, dem Neffen des englischen Königs Edward, ganz regelkonform erschlagen.

Wer sich den Bildteppich, auch „Tapisserie de Bayeux“ genannt, im Centre Guillaume-le-Conquérant anschaut, bekommt mit der Eintrittskarte auch einen Audioguide auf deutsch, der alle 58 dargestellten Szenen beschreibt und erklärt. Nach etwa 20 Min. ist man damit am Ende des Teppichs angelangt.

Nur 200 m vom Museum entfernt steht die Kathedrale Notre-Dame. Die Kirche wurde zwei Mal neu gebaut und mehrfach erweitert. Das heutige Gotteshaus ist eine meisterhafte Symbiose aus einer normanisch-frühromanischen Basis und gotischen Aufbauten. Der Innenraum ist reich mit Skulpturen und Reliefs verziert.

In der Altstadt rund um die Kathedrale herum stehen noch viele historische Stein- und Fachwerkhäuser. Das älteste, an der Ecke Rue des Cuisiniers und Rue Saint-Martin, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Mittelaltertypisch besteht es aus einem steinernen Erdgeschoss mit Holzrahmenaufbauten mit Fachwerk. Um das Holz vor dem Regen zu schützen und die begrenzte Fläche in der befestigten Innenstadt optimal zu nutzen, ragen die oberen Geschosse über die unteren hinaus.

Am Nachmittag besuchten wir noch den Hafen von Port-en-Bessin am Fuß der hohen Klippen der Perlmuttküste. Der kleine Ort ist der zweitwichtigste Fischereihafen der Normandie. Das erkennt man gleich an den tonnenweise am Strand aufgeschütteten Schalen der Jakobsmuscheln (Coquille Saint-Jacques), deren „Erntesaison“ von Oktober bis Januar dauert.

Auf der einen Seite des langgezogenen Hafenbeckens stehen Wohnhäuser, auf der anderen reihen sich Geschäfte und Restaurants aneinander. An der Promenade zeigte ein 90 m langes Doppel-Panorama von April bis Oktober 2019 die gesamten 90 km der D-Day Küste. Es ist aus unzähligen Fotos zusammengesetzt, die im Abstand von 50 m vom Boot aus gemacht wurden. Das obere Bild zeigt die Schönheit der heutigen Küste, das untere alte SW-Aufnahmen der fünf Strandabschnitte der Invasion. Es gibt nur wenige Gebäude, die auf beiden Bildern zu sehen sind. Fotograf ist der Belgier Jo Struyven (http://jostruyven.com), der sich auf Küstenpanoramen spezialisiert und dabei ein Verfahren entwickelt hat, um eine durchgängige Wasseroberfläche darzustellen, ohne Brüche in der Dünung.

Von der weit ins Wasser gebauten Mole sind im Osten in der Ferne die Reste von „Mulberry B“ und im Westen die Aussichtsterrasse des Amerikanischen Soldatenfriedhofs zu sehen. Bei der Invasion der Allierten wurde in Port-en-Bessin in nur einer Woche eines von zwei Öl-Terminals errichtet. Das zweite befand sich 3 km weiter westlich in Sainte-Honorine-des-Pertes. Später wurden beide durch Pluto, die Pipe-Line Under The Ocean, ersetzt, die zwischen der Isle of Wright und Cherbourg verlief. Die von den Allierten benötigten Treibstoffmengen waren enorm, ein einziger M4 Sherman-Panzer der US Army verbrauchte auf 100 km Straße etwa 400 l Diesel.

In der Altstadt von Bayeux ist nicht nur der berühmte Teppich zu bewundern, sondern auch diese Wassermühle am Quai de l’Aure.

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