9. Tag

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des D-Day, der Landung der Allierten an der Perlmuttküste der Normandie, die sich 2019 zum 75. Mal jährte, so dass es viele Veranstaltungen zum Gedenken gegeben hatte.

Erste Station war die Felsspitze „Pointe du Hoc“, auf der sich heute ein Vogelschutzgebiet befindet. Dort standen 1944 sechs deutsche Ferngeschütze, die die links und rechts angrenzenden Strandabschnitte Utah und Omaha hätten unter Feuer nehmen können. Daher wurden sie von den Amerikanern in einer verlustreichen Kommandoaktion am Morgen des D-Day zerstört. Die US-Soldaten erkletterten dazu mit Hilfe von an Enterhaken von Booten aus auf die Felsen geschossenen Leitern die 30 m hohen Klippen. In einem Besucherzentrum ist das Geschehen ausführlich dokumentiert.

Am „Museum D-Day Omaha“ vorbei, vor dem Geschütze, stählerne Gefechtsbunker und andere militärische Ausrüstung steht, fuhren wir 9 km weiter zum Amerikanischen Soldatenfriedhof bei Saint-Laurent-sur-Mer. Das große Besucherzentrum dort ist sehr informativ. So lasen wir zum Beispiel, dass die US Army zwischen 1939 und 1944 von weniger als 200.000 Mann auf über 8 Mio. Mitglieder anwuchs. Im Juni 1944 waren dann in Großbritannien 1,5 Mio. US-Soldaten zusammen mit anderen allierten Streitkräften aus aller Welt stationiert. In den beiden Jahren vor dem D-Day wurden zudem über 5 Mio. Tonnen Vorräte und Ausrüstung dorthin gebracht und gelagert.

Wir erfuhren auch, dass gefallene GIs zuerst auf provisorischen Friedhöfen begraben wurden. Die Angehörigen konnten dann entscheiden, ob sie in die Heimat zurück gebracht, oder auf dem 1956 angelegten Friedhof direkt am Meer, oberhalb von Omaha Beach, ihre letzte Ruhe finden sollten. Dort liegen heute 9.388 Soldaten unter kleinen Kreuzen aus weißem Carrara-Marmor und es gibt eine Gedenkwand mit 1.557 Namen von Vermissten. Die beiden dort beigesetzten Niland-Brüder inspirierten Steven Spielberg zum Film „Der Soldat James Ryan“, der 1998 in die Kinos kam. Die Szene, in der Ryan das Grab des fiktiven Captain John Miller besucht, wurde auch auf dem Friedhof gedreht.

Bei unserem Besuch legte eine der angereisten amerikanischen Besuchergruppen gerade in einem würdevollen Zeremoniell einen Kranz am Denkmal mit der Aufschrift „Geist der amerikanischen Jugend“ nieder. Zuerst drehten sich aber alle zu den beiden Fahnenmasten mit der US-Flagge um, sangen die Nationalhymne und wandten sich dann wieder dem Denkmal zu. Nach der Kranzniederlegung erklangen aus den Lautsprechern drei Salut-Schüsse und das einminütige Trompetensignal „Taps“, das in den USA seit dem Bürgerkrieg zu Trauerfeiern für gefallene Soldaten gespielt wird. Viele Anwesende waren wirklich ergriffen und zu Tränen gerührt.

16 km weiter stoppten wir dann in Longues-sur-Mer an der „Batterie Allemande“, vier deutschen Kasematten mit den drei einzigen noch an Ort und Stelle erhaltenen 150 mm Kanonen und einem Feuerleitposten mit Blick über das Meer. Auf den davor aufgestellten Infotafeln lasen wir, dass der nie vollständig errichtete Atlantik Wall am 6. Juni 1944 zwischen Spanien und Norwegen 12.000 Bunker umfasste. Als Baumaterial kamen 13 Millionen Kubikmeter Beton zum Einsatz, der mit einer Million Tonnen Stahl verstärkt worden war. Erst heute, nach 75 Jahren, läuft ein Kartierungsprojekt, das auch die kleineren Bauwerke und Stellungen erfassen soll. Zudem wurde unter www.liberte-normandie.com eine Initiative gestartet, um die D-Day Strände in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufzunehmen.

Spuren der Schlacht sind im Sand der Strände sogar heute noch zu finden. Untersuchungen per Elektronen-Mikroskop zeigten im Sand von Omaha-Beach, an dem 34.000 GIs landeten, zum Beispiel winzige Schrapnell-Fragmente und Kleinstkügelchen aus Stahl und Glas. Diese entstanden durch die Explosion der Geschosse und die damit einhergehende Vitrifikation. Darunter versteht man das Verglasen des Sandes aufgrund der enormen Hitze.

Zum Abschluss schauten wir uns in Arromanches-les-Bains noch die Reste des künstlichen Hafens „Mulberry B“ an. Dieser bestand aus älteren Schiffen und Senkkästen, die die Briten auf den Grund der Bucht gesetzt hatten. Die ganze Konstruktion war eine technische Meisterleistung, erwies sich im Nachhinein aber als zu teuer und unnötig.

Der Amerikanische Soldatenfriedhof bei Saint-Laurent-sur-Mer liegt direkt oberhalb von Omaha Beach, einem der fünf D-Day Strände.

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