1. Tag

Zum Frühstück kauften wir beim örtlichen Bio-Bäcker ofenfrische Croissants und Baguette. Dann gingen wir ans Meer, wo es nach Tang roch und der Wind das auflaufende Wasser in großen Brechern über den Kieselstrand rollen ließ. Wenn das Wasser wieder abfloß, rollten die Kiesel ein Stück weit mit und verstärkten so das Rauschen der Wellen.

Am Hafenbecken entlang spazierten wir weiter zur alten Fischfabrik. Diese war 1950 anstelle eines alten, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Salzlagers errichtet worden. Zuerst hatte sie ausschließlich vor Neufundland gefangenen Kabeljau zur Trockenfisch verarbeitet. Später wurden auch Hering und Lachs geräuchert und seit 2017 beherbergt das Gebäude ein Museum, das der langen Fischereitradition des Ortes gewidmet ist. Schon der Name Fécamp, der sich vom römischen Fisci Campus ableitet, gibt einen Hinweis auf seine Jahrtausende alte Siedlungsgeschichte.

Neben der Fischerei war auch das Kloster ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Es existierte seit dem 5. Jahrhundert und war im 11. Jahrhundert als Aufbewahrungsort der Reliquie des Heiligen Blutes der bedeutendste Wallfahrtsort der Normandie. Bald darauf wurde das Kloster in dieser Funktion aber von dem auf dem Mont Saint-Michel errichteten Kloster abgelöst.

Auf der anderen Seite des Hafensbeckens stiegen wir anschließend zum Cap Fagnet hinauf, dem mit 110 m höchsten Punkt der Alabasterküste. Dort steht die See- und Wallfahrerkapelle Notre-Dame du Salut aus dem 11. Jahrhundert. Robert I., Herzog der Normandie und Vater von Wilhelm dem Eroberer, ließ sie aus Dankbarkeit für seine Rettung nach einem Schiffbruch errichten, zusammen mit zwei weiteren Kapellen: Notre-Dame de la Délivrande nahe Caen und Notre-Dame de Grâce in Honfleur. Die Kapelle in Fécamp entging der Zerstörung im Zuge der Französischen Revolution nur durch ein 1792 erlassenes Dekret, denn sie war seinerzeit auch ein wichtiger Orientierungspunkt für die Seefahrt. Noch heute grüßen ausfahrende Schiffe die Kapelle mit drei Hornstößen und bitten so um guten Wind und ruhige See.

Auch die Deutschen nutzten die strategische Lage auf dem Felsen für einen Aussichtspunkt des Atlantik-Walls. Errichtet wurde er vom Ingenieur Fritz Todt und seinem Bautrupp “Organisation Todt“ mit Hilfe von Zwangsarbeitern im Jahr 1942, als Hitler eine Anglo-Amerikanische Invasion zu fürchten begann. Daher wurde Fécamp kurz darauf nach den „Festungen“ Le Havre und Dieppe zum bestgeschützten Hafen der Normandie. Auf dem Cap entstanden im Zuge dessen ein Bunker, ein Feuerleitstand, ein leichter Schutzstand sowie zahlreiche Tobruk-Posten, kleine Einmann-Bunker, die nur schwer zu treffen waren. Das dort ebenfalls installierte Radar vom Typ Würzburg-Seeriese hatte eine Antennenschüssel mit 7,4 m Durchmesser und eine Reichweite von 40-80 km. Es sollte 1944 durch ein Langstreckenradar vom Typ Mammut ersetzt werden, mit bis 300 km Reichweite und einem Erfassungsbereich bis 8.000 m Höhe. Die Pläne wurden aber letztlich durch den D-Day obsolet.

Nachdem wir auf dem Cap ein paar reife Brombeeren genascht und Esskastanien gesammelt hatten, die wir abends im Ofen rösten wollten, stiegen wir wieder hinunter zur Stadt. Dort schauten wir uns das Palais Bénédictine an. Das Gebäude hatte der Weinhändler und Kunstsammler Alexandre le Grand errichten lassen, der durch einen Kräuterlikör reich geworden war, den er Bénédictine genannt hatte. Die Spirituose geht zurück auf die Abtei von Fécamp, wo der Benediktiner-Mönch und Alchimist Bernardo Vincelli 1510 aus 27 Kräutern und Gewürzen einen geheimen Trank entwickelt hatte. Die Rezeptur ging jedoch während der Französischen Revolution verloren und wurde erst von le Grand in seiner historischen Büchersammlung wiederentdeckt. Nach vielen Versuchen schaffte er es schließlich den Likör herzustellen, der bis heute in dem Gebäudekomplex produziert wird. Das Palais ist aber auch ein Museum und zu besichtigen.

Nach dem Abendessen gingen wir noch mal zum Strand. Dort herrschte ein besonders kräftiger Wind, der die Wellen noch höher schlagen ließ.

Im Palais Bénédictine von Fécamp wird bis heute der vom Weinhändler Alexandre le Grand wiederentdeckte Kräuterlikör „Bénédictine“ produziert.

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