6. Tag

In den vergangenen Tagen hatte es vormittags meist zeitweise geregnet, am Nachmittag war dann aber die Sonne herausgekommen. Heute sollte es jedoch den ganzen Tag über einen Wechsel von Regen und Sonne im 30-Minuten-Takt geben. Typisches Herbstwetter eben. Nach dem Frühstück fuhren wir landeinwärts ins Pays d’Auge mit Apfelplantagen, Viehweiden, vielen Châteaus und noch mehr alten Fachwerkhäusern. Diesen sahen genauso aus, wie die gallischen Häuser aus den Asterix und Obelix-Comics. Das charakteristische normannische Fachwerk besteht in erster Linie aus senkrechten Balken in recht engen Abständen. Dabei muss man wissen, dass selbst Paris und London im Mittelalter noch reine Fachwerkstädte gewesen waren.

Als wir am Château du Breuil vorbei fuhren, stoppten wir spontan und schauten uns das hübsch an einem Teich gelegene Herrenhaus von außen an. Zum Anwesen gehörte auch eine Calvados-Brennerei. Auf dem Hof davor lagen Berge von teilweise schon fauligen Äpfeln, die einen intensiven fruchtigen Duft verströmten und mit Wasser berieselt wurden. Das Angebot zur Verkostung im dazugehörigen Shop konnten wir allerdings nicht wahrnehmen, denn die Mitarbeiter waren, wie es in Frankreich nicht unüblich zu sein scheint, pünktlich auf die Minute in die Mittagspause gegangen und hatten vor unserer Nase einfach abgeschlossen. Auf einem Bildschirm im Fenster konnten wir immerhin noch nachlesen, dass aus 5-6 kg Mostäpfeln über die Vorstufe Cidre eine 0,7 l-Flasche Apfelbranntwein wird.

Unser erstes Tagesziel war dann Lisieux, der zentrale Ort der Region. Dort hatten Heinrich II Plantagenet und Eleonore von Aquitanien 1152 im Vorgängerbau der heutigen Kathedrale geheiratet. Aufgrund dieser Verbindung brach knapp 200 Jahre später der Hundertjährige Krieg aus.

Die Kirche war ursprünglich romanisch gewesen. Später gebaute Teile sind jedoch gotisch, so dass die Frontansicht der Kathedrale an Notre-Dame in Paris erinnert. In dem Gotteshaus betete im 19. Jahrhundert auch Thérèse Martin. Das junge Mädchen trat bereits im Alter von 15 Jahren in den örtlichen Karmel, das Karmeliten-Kloster, ein und verfolgte fortan den „Kleinen Weg der Liebe“ und den Gedanken der „Gotteskindschaft“. Sie starb bereits 1897 im Alter von nur 24 Jahren an Tuberkulose. Ihre selbst niedergeschriebene Lebensgeschichte ist nach der Bibel das meistgelesene spirituelle Buch in französischer Sprache. 1925 wurde sie heilig gesprochen und schon 1929 begannen auf einem Hügel etwas außerhalb der Stadt die Bauarbeiten für die gewaltige Basilika Sainte-Thérèse im neobyzantinischen Stil. Mit über 2 Mio. Besuchern im Jahr ist sie nach Lourdes die zweitwichtigste Wallfahrtsstätte Frankreichs. Wir waren an diesem Tag neben drei französischen Mädchen allerdings die einzigen Besucher in der 90 m hohen Kirche, die architektonisch an die Basilika Sacré-Cœur in Paris angelehnt ist.

Auf der Weiterfahrt warfen wir einen kurzen Blick auf das Château de Crèvecoeur. Das von Wassergräben geschützte Schloss am Flüsschen Vie stammt aus dem 12. Jahrhundert, die heutigen Gebäude und der Taubenturm stammen aber aus dem 17. Jahrhundert. Die gesamte Schlossanlage mit dem fotogenem Torhaus kauften Ende des 20. Jahrhunderts die im Ölgeschäft reich gewordenen Gebrüder Schlumberger und ließen sie aufwendig restaurieren. Heute finden auf dem Burghof Events und Kinderprogramme statt.

Da das Château im Oktober nur sonntags geöffnet ist, fuhren wir bald weiter ins 10 km entfernte Beuvron-en-Auge. Es zählt zu den schönen Dörfern Frankreichs, mit alten Fachwerkhäusern entlang der Hauptstraße und rund um den Marktplatz. Die Läden bieten dort Cidre, Calvados und viele andere Erzeugnisse aus der Normandie an.

In Lisieux begann 1929 der Bau der Basilika Sainte-Thérèse im neobyzantinischen Stil. Architektonisch ähnelt sie der Basilika Sacré-Cœur in Paris.

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