Nachhaltigkeit ist zweifellos ein wichtiges Thema und es steht derzeit ganz besonders im Fokus, denn es gilt die drohende Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen. Die UN-Klimakonferenz arbeitet deshalb daran die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte jeder Mensch nach Zahlen des Umweltbundesamtes 2050 aber pro Jahr nur noch maximal 2 Tonnen CO2 erzeugen. Laut der Nachhaltigkeitsexpertin Dr. Alexandra Hildebrandt verursacht jedoch zum Beispiel jeder Passagier schon allein bei einem einzigen Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Bangkok etwa 5,5 Tonnen CO2.

Fernreisen mit dem Flugzeug sind also alles andere als nachhaltig und aus Umweltgründen eigentlich gänzlich zu vermeiden. Doch kaum jemand wird auf seine liebgewonnen Fernreisen verzichten wollen, ich selbst auch nicht. Daher gibt es inzwischen zumindest die Möglichkeit zum Ausgleich für den Flug bei Organisationen, wie atmosfair, in Wiederaufforstung, regenerative Energien oder andere Umweltschutz-Projekte zu investieren.

Es gibt allerdings auch Fernreisen, bei denen auf das Fliegen verzichtet wird und die daher tatsächlich nachhaltig sind. Allerdings braucht man dafür dann nicht die üblichen drei Wochen Urlaub, sondern Monate oder gar Jahre. Populäre Beispiele für solche „Weltreisen“ gibt es inzwischen einige, wie etwa „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ von Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier aus Freiburg, die im Nachgang 2017 einen erfolgreichen Film, ein Buch und auch eine AV-Schau darüber gemacht haben.

Vor gut zehn Jahren waren auch Claudia Metz und Klaus Schubert mit ihrem Reisebericht „Abgefahren: In 16 Jahren um die Welt“ und dem dazugehörigen Buch in Deutschland auf Vortragstour. Realistisch betrachtet haben aber natürlich nur wenige die Zeit und den Mut eine solche Reise zu unternehmen. Doch streng genommen ist das meiner Meinung die beste Art und Weise möglichst nachhaltig die Welt zu entdecken.

Wenn ich dagegen auf dem ein oder anderen Reiseblog lese, wie sehr dem Verfasser die Nachhaltigkeit am Herzen liegt, dann wundere ich mich, denn Fernflüge und Umweltschutz passen einfach nicht wirklich zusammen. Natürlich ist es trotzdem nachahmenswert und sinnvoll Tipps zu geben, wie etwa statt mehreren kurzen Reisen lieber eine längere zu machen oder für Inlandsstrecken und Nahziele in Europa lieber die Bahn oder den Reisebus zu nutzen, statt ins Flugzeug zu steigen. Insgesamt habe ich dann jedoch immer den Eindruck es eher mit „Greenwashing“ zu tun zu haben, als mit einer wirklichen Nachhaltigkeitsphilosophie. Schließlich bleiben die „schmutzigen“ Langstreckenflüge davon unberührt.

Ich kenne zum Beispiel auch einen kleineren Reiseveranstalter, der völlig schmerzfrei offensiv damit wirbt, seit seiner Gründung sei Nachhaltigkeit ein grundlegender Bestandteil seines Konzeptes, und fast ausschließlich Flug(fern)reisen anbietet. Was soll man zur Nachhaltigkeit eines „Öko-Urlaubs“ in einem Eco-Ressort sagen, das man nur mit dem Flugzeug erreicht? Das ist wohl ein klarer Fall für Marcus Rohwetters Kolumne „Quen­gel­zo­ne“ in der Wochenzeitung Zeit, in der der Autor das „Werbe-BlaBla“ der Konsumgesellschaft als das entlarvt, was es ist: BlaBla.

Wie bereits geschrieben, man kann Flugfernreisen nicht einfach verbieten und ich selbst möchte darauf auch nicht verzichten, obwohl mir die Auswirkungen bekannt sind. Aber ich würde in dem Zusammenhang nicht etwas vom nachhaltigen Reisen fabulieren, denn das ist es einfach nicht. Das sollte man dann auch ganz klar so sagen bzw. schreiben.

Um es zumindest nicht noch schlimmer zu machen, bin ich allerdings noch nie auf einen anderen Kontinent geflogen, wenn ich für die Reise nicht mindestens drei Wochen Zeit hatte. Es ist aus meiner Sicht doch völlig absurd, wenn man in den Reisekatalogen die vielen 10-14 tägigen Rundreisen durch aller Herren Länder sieht. Dabei sind die Tage dann auch noch so mit Programmpunkten vollgestopft, dass in vielen Orten mehr oder weniger nur die Zeit für einen „Fotostopp“ bleibt. Aber was hat man dann davon, außer einem flüchtigen Häkchen auf seiner sogenannten „Bucket List“? Und extreme Auswüchse, wie etwa für einen Tag mit Freunden nach Mallorca zu fliegen, um einen besonderen Geburtstag zu feiern oder für einen Tag zur Shoppingtour nach London, weil es so absurd billige Flüge gibt, sind für mich ohnehin nicht ansatzweise nachvollziehbar. Einen Weg die Fernflüge zu vermeiden, habe ich jedoch auch noch nicht gefunden.

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