2. Tag

Wir fuhren mit dem Auto erst hoch zum Cap Fagnet und schauten auf die heute ganz ruhige See. Dann ging es weiter an der Atlantikküste entlang in Richtung Osten. Nach 20 km erreichten wir Sassetot-le-Mauconduit, mit Kirche, Bäckerei, Friseur, Lebensmittelgeschäft und Kneipe im Zentrum und einem Château am Rand des kleinen Ortes. Im Schloss hatte 1875 die österreichische Kaiserin Sissi Urlaub gemacht. Heute heißt es dementsprechend Château Sissi, ist passenderweise rosa gestrichen und beherbergt ein Luxushotel mit Edelrestaurant. Bei unserem Besuch sah das Anwesen aber recht verwaist aus.

Wir fuhren anschließend links an der Kirche vorbei ins 3 km entfernte Les Grand Dalles, einen kleinen Küstenort mit einem großen Parkplatz direkt vor dem Kieselstrand. Links und rechts umrahmt von den hoch aufragenden, beige-weißen Kalkstein-Klippen. Zurück in Sassetot-le-Mauconduit fuhren wir dann rechts an der Kirche vorbei ins 2,5 km entfernte Les Petit Dalles. Der kleine Küstenort mit großem Parkplatz direkt am Kieselstrand ist links und rechts ebenfalls von steilen Klippen umrahmt. In beiden Orten gab es einige hübsche Häuser, aber weder ein Restaurant noch ein Geschäft, nicht mal eine Strandbar.

Die Küstenstraße führte schließlich weiter durch die Ebene oberhalb der Klippen und passierte nach 27 km das malerisch aussehende Château de Janville am Rand des gleichnamigen Dorfes. Auf den weitläufigen Ackerflächen hinter dem Schloss waren drei Mähdrescher und eine große gelbe Maschine gerade dabei ein Zuckerrübenfeld abzuernten.

Zum im 17. Jahrhundert errichteten und im 19. Jahrhundert erweiterten Anwesen mit englischem Rasen gehört auch ein Taubenturm, der typisch für die Normandie ist. Taubentürme waren früher ein Vorrecht der normannischen Herzöge gewesen. Die Tauben waren dabei in erster Linie Speisetiere und sind heute noch auf den Karten vieler Restaurants zu finden.

Die letzte Station des Tages war dann Veules-les-Roses, das zu den „schönen Dörfern Frankreichs“ zählt. Da die meisten Restaurants in der Nebensaison um 14.30 Uhr die Küche schließen, gab es für uns nur noch Pommes, Crêpes und belegte Baguettes vom Kiosk an der schönen Promenade, direkt am Kieselstrand, neben einer Reihe von Badehäuschen. Der Stand mit frischen Austern hatte auch schon eingepackt. In der Auslage waren lediglich noch ein paar Schalensplitter zu sehen. Die edlen Muscheln sind neben der Brunnenkresse die zweite kulinarische Spezialität des Ortes. Die Kresse wird schon seit dem Mittelalter im klaren Wasser der Veule kultiviert.

Die Veule, das namensgebende Flüsschen, ist mit 1.149 m von den Quellen bis zur Mündung am Strand das kürzeste des Landes. Durch das Tal mit vielen schönen Fachwerkhäusern, alten Wassermühlen, Belle-Epoque-Villen und Rosengärten führt ein 3,5 km langer Rundweg, vorbei an den wichtigsten „Sehenswürdigkeiten“. Die zweite Hälfte der Strecke folgt dabei dem Kanal der Veule quer durch den Ort. Die Ausschilderung des Rundgangs ist allerdings recht spärlich, so dass man die Karte am Startpunkt mit dem Smartphone abfotografieren sollte, um die jeweils nächste der 23 Stationen mit einer numerierten Schautafel auch wirklich finden zu können.

„Entdeckt“ wurde der Badeort für die Pariser Gesellschaft 1826 von der Schauspielerin Anais Hubert. Die Hauptstraße ist nach dem Schriftsteller Victor Hugo benannt, der sich wie viele andere Künstler regelmäßig dort aufhielt. Seinen heutigen wohlklingenden Namen erhielt der 600 Einwohner-Ort übrigens erst 1897, bis dahin hieß er Veules-en-Caux.

In der Nähe von Veules-les-Roses, im Schloss von Sassetot-le-Mauconduit hatte 1875 die österreichische Kaiserin Sissi Urlaub gemacht. Daher heißt es heute Château Sissi.

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