Vor einigen Jahren sind Wischer-Fotos (auf englisch „blur“) groß in Mode gekommen. Denn sie verleihen eher „langweiligen“ Motiven eine geradezu impressionistische Anmutung und machen sie so zu richtigen Hinguckern. Solche Bilder entstehen, indem man die Kamera beim Auslösen mit relativ langen Belichtungszeiten (etwas im Bereich 1/10 oder 1/20 Sekunde zum Beispiel) ein Stück weit verschwenkt. Je nach Motiv kann das horizontal oder vertikal erfolgen.

Horizontal bietet sich zum Beispiel bei einem Blick aufs Wasser an. Zur Auflockerung gerne mit einem Stück (wolkigem) Himmel oben und/oder einem Stück Strand (mit Grasinseln) unten. Das Sahnehäubchen bei so einem Motiv ist dann ein Vogel, der durch das Bild fliegt und scharf ist, weil man die Kamera genau in seiner Fluggeschwindigkeit mitzieht. Wobei genau genommen ist das Ergebnis dann eher ein Mitzieher und kein Wischer, aber das ist ein anderes Thema…

Der Klassiker eines vertikalen Wischers sind jedenfalls Bäume im Wald. Bereits in hunderttausendfachen Varianten fotografiert und doch immer wieder nett anzusehen. Als erstes suche man sich dazu einen passenden Wald mit geraden, langen Stämmen, möglichst ohne Äste im späteren Bildbereich. Hier bieten sich zum Beispiel Kiefern oder Birken an. Wichtig ist dann auch ein Boden mit ein paar farblichen Akzenten. Der Himmel im Kronenbereich ist dagegen eher ein Störfaktor im Bild. Für einen optimalen Wischereffekt darf man also nicht zu weit nach oben und auch nicht zu weit nach unten schwenken, damit im Bild in erster Linie nur das Hauptmotiv – die Stämme – zu sehen ist.

Da es schwierig ist, mit einer Einzelaufnahme punktgenau nur diesen Bereich zu erfassen, bietet es sich an die Kamera auf Serienbild zu stellen und sie dann in der passenden Geschwindigkeit ein paar Mal auf und ab zu schwenken. Mit etwas Glück und etwas Übung deckt dann mindestens ein Bild genau den gewünschten Bereich ab.

Prakisches Beispiel:

Hier ein Motiv aus dem Wald am Weststrand des Darß an der Ostsee in der Nähe von Zingst. Das obere Bild zeigt einfach einen Ausschnitt aus dem Wald, mit 105 mm Brennweite.

Das untere Bild zeigt das Wischer-Foto, das daraus entstanden ist. Ebenfalls aufgenommen mit 105 mm sowie mit einer 1/20 Sekunde und Blende 4.0. Der schmale hellere Grünstreifen unten ist das Gras am Boden des Wegrands. Der blaue Himmel, der durch die Baumkronen scheint, ist durch eine eng gefasste Schwenkbewegung am oberen Bildrand ausgeblendet geblieben. Um das Bild zu optimieren, habe ich lediglich den Kontrast und die Sättigung angehoben und etwas nachgeschärft.

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